Idee und Inhalt meines Buches

"Jede entsprechend weit fortgeschrittene Technologie ist von Magie nicht zu unterscheiden" (Zitat von Arthur C. Clarke)


Diese Idee hat mich nicht mehr losgelassen bis ich schließlich damit begonnen habe ein Buch darüber zu schreiben. Es geht um virtuelle Welten, die so perfekt simuliert sind, dass sie von der realen Welt nicht mehr zu unterscheiden sind. Da in der virtuellen Welt alles möglich ist, gibt es in meinem Buch sowohl Zukunftstechnologie, wie sie in Science Fiction Romanen zu finden ist, als auch typische Fantasy Elemente wie Magie, Fabelwesen und Fantasiewelten.

In meinem Blog werde ich nicht nur über den Fortschritt meines Buches berichten, sondern auch allgemein zu SciFi und Fantasy Themen.

Gerne lasse ich mich hierbei von euch inspirieren.

Wer mag, kann mich gerne direkt kontaktieren: roy.ofinnigan@t-online.de

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Mittwoch, 7. Januar 2015

Atlantis - Teil 3


Hier kommt die lang ersenhte dritte und letzte Teil von Atlantis:
(Für alle, die Teil 1 und 2 verpasst haben: hier klicken)

Ein sagenhafter Goldfund im Weltall macht extrem aggressive Aliens auf die Menschen aufmerksam. Sie kommen, um die Erde zu vernichten.
In den Tiefen des Alls lauern sie eifersüchtig darauf, dass niemand ihre Entwicklungsstufe erreicht. Damit ihnen nichts entgeht, schicken sie Sonden aus purem Gold ins All. Diese informieren sie darüber, falls ihnen jemand gefährlich werden könnte. Eines Tages finden Weltraumprospektoren die Sonde und lösen unabsichtlich den Alarm aus. Während sie sich noch über den riesigen Goldfund freuen, sind die Aliens bereits unterwegs, um die Erde zu zerstören. Rigo und Lina haben nur eine winzig kleine Chance die Killer-Aliens aufzuhalten. Wenn es ihnen gelingt ein uraltes Raumschiff der Atlanter in Betrieb zu nehmen.
 
Atlantis ist Teil von "Computerdiktatur". Das eBook ist bei Amazon, Thalia, Weltbild, XinXii für alle gängigen eBook Reader erhältlich.
Über Feedback oder eine Rezension würde ich mich sehr freuen.
 





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6. Bekanntmachungen

Mit viel Geschick und Unterstützung der automatischen Steuerung gelingt es Rigo, auf der Goldkugel zu landen. Ein harter Stoß verkündet den Kontakt.
»Auuua!« Schreit Lina. »Ich hab‘ mir auf die Sunge gebichen.«
»Glück im Unglück«, kommentiert Rigo.
»Wach?« Fragt Lina konsterniert.
»Wir leben noch.«
»Timaios Space Mining hört ihr mich?« Kommt ein stark gestörter Funkspruch vom Hauptquartier der UNaSMiC auf der erdzugewandten Seite des Erdtrabanten.
»Hier ist Rigo Ksciezyk. Gut, dass ihr anruft. Wir haben einen Notfall. Wir brauchen dringend Hilfe!«
Doch anstelle einer Antwort wird die Rufmeldung wiederholt. Schließlich dämmert den beiden, dass sie nicht gehört werden. »Vermutlich die Antenne. Unser Funksignal ist zu schwach, um den nächsten Satelliten zu erreichen«, schlussfolgert Rigo.
»Und wach machen wir jes?« Fragt Lina mit schmerzverzerrtem Gesicht und Tränen in den Augen.
Rigo rätselt, ob die Tränen von den Schmerzen kommen oder dem Ernst der Lage geschuldet sind. »Erst mal um deine Zunge kümmern. Im Med-Kit ist sicher etwas gegen die Blutung und die Schmerzen.


                                                                       ***

»Gold? Hast du soeben Gold gesagt?«
»Pssst, nicht so laut du Vollmongo. Das muss doch nicht gleich jeder wissen.«
»’tschuldige. Woher weißt du das, mit dem … du weißt schon«, flüstert der Minenarbeiter deutlich leiser.
Der Andere schwenkt nachdenklich den historischen Brandy. Er lässt sich Zeit mit der Antwort und gönnt sich erst mal einen Schluck. Genussvoll spürt er der altehrwürdigen Flüssigkeit nach, wie sie vom Rachen über die Speiseröhre in den Magen hinab gleitet und unterwegs wohlige Wärme verbreitet. »Von der UNaSMiC. Du weißt ja, dass ich den Funkverkehr abhöre. Der ist zwar verschlüsselt aber das ist kein Problem für mich. Es besteht kein Zweifel.«
»Ausgezeichnet. Wo müssen wir hin?«
»Nicht hier. Komm wir verschwinden. Hier gibt es für meinen Geschmack zu viele Augen und Ohren.«
Innerhalb weniger Stunden verbreitet sich die Nachricht wie ein Lauffeuer. Zuerst auf dem Mond und dann auf der Erde. Kurz darauf ist alles, was im weitesten Sinn für raumtüchtig gehalten wird, unterwegs zur Rückseite des Mondes.


                                                                     ***

Mit einer Geste leitet der 1. Offizier der Purge1717 das Bremsmanöver ein. Die Geschwindigkeitsanzeige reagiert und beginnt langsam, niedrigere Werte als 15,4-fache Lichtgeschwindigkeit anzuzeigen. Seine Aufmerksamkeit ist auf eine andere Anzeige gerichtet. Dort sieht man, wie das Raumschiff von einer Raumzeitwelle durch das Universum getrieben wird.
Langsam kehrt sich die Welle um und bremst den Sternenkreuzer. Schließlich bringt der Steuermann das Kriegsschiff zum Stillstand. Genau an dem Punkt, von dem, das Hyperraum Signal vor drei Jahren, zwei Tagen und vier Stunden ausgesandt wurde. »Wir sind da, Kapitän Asssarrik.«
»Zwei Tage und vier Stunden zu spät. Dafür erteile ich Ihnen einen offiziellen Verweis 1. Offizier Gassazas.«
»Sir, wir haben unterwegs zwei Sonnen verbraten. Dass wir dafür einen Umweg machen mussten, kann ich nichts. Ich habe aus dem Schiff herausgeholt, was drin war. Es ging nicht schneller.«
Der Kapitän ignoriert den Entschuldigungsversuch. »Ich hoffe, dass die Aktion von jetzt an reibungslos verläuft. Was haben Sie zu berichten?«
Mit einem Blick erfasst der zweite Mann die Situation. »Die Trümmer des Planeten Atlantis sind da, wo wir sie erwarten. Von unserer Sonde gibt es keine Spur.«
»Was soll das heißen, keine Spur? 76 Billionen Kilogramm Gold können nicht so einfach verschwinden. Finden Sie sie!«
Der Offizier scannt das Planetensystem auf allen Frequenzen. »Sir, es gibt starke Aktivitäten auf und in der Nähe des dritten Planeten. Offensichtlich gibt es dort intelligentes Leben und man beherrscht die Raumfahrt.«
»Nehmen Sie Kurs auf diesen Planeten. Wir müssen vorsichtig sein. Sammeln sie unterwegs so viele Daten wie möglich.«
Gassazas trimmt die Energieverteilung und benutzt die Verzerrung der Raumzeitgeometrie, um die Purge1717 mit Unterlichtgeschwindigkeit anzutreiben. Mit 30.000 Kilometern pro Sekunde fliegen die Mennerianer auf die Erde zu.


                                                                ***
»Geht es dir besser?«, fragt Rigo, nachdem er seine Freundin verarztet hat.
Während er das fragt, hat er plötzlich das Gefühl, den Boden unter den Füßen zu verlieren. Die Hände seiner Freundin verkrampfen sich in seine Unterarme. Ihre Augen sind vor Schreck geweitet. Begleitet von einem spitzen Schrei, sinkt ihr Gleiter in die Goldkugel ein und beginnt zu fallen. Rigo lässt sich von seiner Freundin anstecken und schreit ebenfalls.
Er hat das Gefühl zu fallen, aber die gleichförmige Goldwand um sie herum, bietet keinerlei Anhaltspunkt ob und wie schnell sie sich bewegen. Linas anhaltender Schrei macht es ihm nicht leichter, sich zu orientieren.
Jäh weitet sich der Raum. Sanft setzt ihr Gleiter in einem Hohlraum auf. Endlich hört Lina auf zu schreien. Beide starren aus dem Fenster. Der Hohlraum ist erleuchtet und leer »Das sieht aus wie der obere Teil einer Halbkugel. Die Scheibe, auf der wir stehen, hat 52 Meter Durchmesser«, fügt er nach einem Blick auf seine Instrumente hinzu.
Lina zeigt keine Reaktion. Noch immer sind ihre Augen vor Schreck geweitet. Sie starrt einfach aus dem Fenster auf die Wand ihres goldenen Käfigs, unfähig sich zu bewegen. Rigo greift in das Med-Kit, das noch immer neben ihm steht, holt eine Injektionspistole heraus und lädt sie mit einem Beruhigungsmittel. Lina blinzelt kurz, als er ihr die Dosis verabreicht. Wenige Sekunden später lösen sich die Krämpfe der jungen Frau.
Sie springt auf und klammert sich an Rigo, so fest sie kann. »Sachte Liebes, ich bekomme keine Luft mehr.«
»Rigo, ich habe Angst, was ist das für ein Ding, das uns deine Mum geschickt hat?«
»Ich habe keine Ahnung. Dafür ist sie uns eine Erklärung schuldig.«
»Was machen wir jetzt? Wie kommen wir hier wieder heraus? Müssen wir sterben«, bombardiert sie ihn mit Fragen.
Der junge Mann bedauert, ihre Neugier nicht befriedigen zu können. Suchend blickt er sich in der Halle um. Doch da ist nichts. Auch die Scanner des Gleiters bleiben stumm. Sie indizieren nur Gold. Das allerdings im Überfluss. »Theoretisch haben wir 260 Tausendmal mehr von dem Edelmetall, als es insgesamt auf der Erde gibt. Nur wie kriegen wir es von hier Weg?«, sagt er um Lina abzulenken.
Unerwartet fährt ein Stromstoß durch ihn hindurch. Der scharfe Schrei seiner Freundin bestätigt, dass sie den auch gespürt hat. Gleichzeitig springt sie ihn an und hängt sich an seinen Hals. Gerade hatte die Frau sich etwas beruhigt. Jetzt liegt sie zitternd in seinen Armen. »Was war das? Bringen sie uns jetzt um? Bitte tu was. Bring uns hier raus. Schnell!«
Mit Lina im Arm wendet sich Rigo den Instrumenten zu. Alle Sensoren haben das Gleiche aufgezeichnet. Einen kurzen, scharfen Puls. »Höchst ungewöhnlich.«
»Da, da«, deutet Lina mit dem Finger nach draußen. »Da passiert schon wieder was.«
Rigo dreht den Kopf in die angezeigte Richtung. draußen flimmert etwas. Dann erscheint eine Gestalt.
»Sieht menschlich aus«, stellt Rigo fest.
Lina starrt fasziniert auf die Person. »Über-Männ-schlich«, zieht sie die Silben auseinander.
Der Mann hebt langsam die Hände und streckt sie ihnen mit den Innenseiten entgegen.
»Das soll wohl heißen er kommt in friedlicher Absicht«, interpretiert Rigo die Geste.
Die Beiden warten eine Weile. Nachdem nichts weiter passiert ergreift Lina die Initiative. »Ich glaube, er will, dass wir rausgehen und uns zeigen«, sagt sie, ohne den Blick von dem Mann zu wenden.
»Meinst du, wir können das riskieren?«
»Absolut.«
Rigo wirft einen Blick auf die Anzeigen. »73 Prozent Stickstoff, 25 Prozent Sauerstoff, keine giftigen Gase. Offenbar ist die Atmosphäre atembar.
»Atemberaubend«, korrigiert Lina.
»Jetzt reicht’s mir! Wir gehen raus«, befiehlt er verwundert über ihre Reaktion. »Mach dich bereit.«
Kurz darauf erreicht Rigo die Rampe. »Wo bleibst du?«, ruft er.
»Ich komme gleich«, erschallt es aus den Tiefen des Gleiters.
Viele Minuten später erscheint sie. Rigo zieht erstaunt die Augenbrauen hoch. »Was?«, provoziert Lina ihn.
»Das ist wohl kaum die richtige Kleidung für diesen Anlass.«
»Noch nie was von alientauglicher Abendgarderobe gehört?«, antwortet Lina selbstbewusst und stellt sich neben ihn. »Ob dein Anzug diesem historischen Ereignis gerecht wird, muss sich noch zeigen«, fügt sie süffisant hinzu und mustert ihn von oben bis unten.
»Wenigstens ist er maßgeschneidert«, kommentiert er naserümpfend.
Die beiden geben ein ungleiches Paar ab.
Er im Raumanzug, sie im Abendkleid.
Er hat einen Astronautenhelm in der Hand, sie eine Gucci Clutch.
Er trägt Plasmablaster links und rechts im Hüftholster. Sie die Waffen einer Frau.
Lina wird ungeduldig. »Willst du warten, bis die Rampe aus dem Rahmen rostet, oder drückst du in diesem Jahrhundert noch den Knopf?«
Verwundert schüttelt Rigo den Kopf. Er öffnet die Rampe und gemeinsam schreiten sie hinaus in die Halle dem Außerirdischen entgegen. Als er sie kommen sieht, senkt er die Hände und neigt das Haupt.
»Ιχη γρμσε Ευχη Βεωοηερ δεσ Πλανετεν Ερδε. Μειν Ναμε ιστ Κρατεοσ. Ιχη βιν δερ Καπιτέν διεσεσ Ραυμσχηιφφεσ.«
»Tut mir leid, ich verstehe kein Wort«, antwortet Rigo. Mein Übersetzungsprogramm braucht mehr Input, bis es diese Sprache versteht.«
Der Alien wiederholt seine Worte. »Ich grüße Euch, Bewohner des Planeten Erde. Mein Name ist Krateos. Ich bin der Kapitän dieses Raumschiffs. Herzlich willkommen auf der Helios.«
»Sehr erfreut«, antwortet Rigo, erleichtert, dass er sich mit dem Fremdling verständigen kann. »Ich bin Rigo Ksciezik. Vizepräsident von Timaios Space Mining Corporation.«
»Ah General Timaios. Dachte ich mir’s doch, dass der alte Knabe es geschafft hat. Ihr seid bestimmt einer seiner Nachfahren.«
Rigo hat keine Ahnung, wovon der Alien spricht. Sein Vater hieß ganz sicher nicht Timaios. In Rigos Gehirn drehen sich die Räder. Den Namen für ihr Unternehmen hat seine Mutter ausgesucht. Bestimmt hat sie sich was dabei gedacht. Seine Mum verbrachte fast ihr ganzes Leben im Weltall. Wer weiß, wen sie dort alles getroffen hat. Möglicherweise auch Aliens. Nachdem die Begegnung so gut angefangen hat, will er es sich mit dem Fremdling nicht verderben. »Ja aber wegen der Einzelheiten müssen Sie meine Mutter fragen.«
»Ich verstehe«, gibt sich der Fremde einfühlsam.
Wieder spürt Rigo einen Stromstoß. Diesmal ist er schwächer. Da von Lina kein Schrei kommt, nimmt er an, dass sie nichts gespürt hat.
»Ich sehe, Ihr tragt die Rüstung eines Kriegers. Sagt, was ihr wollt, aber die Abstammung von Timaios könnt Ihr nicht verleugnen. Das ist gut, aber hier an Bord der Helios sind Eure Waffen unnötig. Hier droht Euch keine Gefahr. Im Gegensatz zu draußen.«
»Draußen? Was meinen Sie damit?«
»Später. Wir wollen die junge Dame nicht länger warten lassen. Wollt Ihr mir Eure bezaubernde Begleiterin nicht vorstellen?«
Rigo ist verwundert über die Bitte, spielt aber mit. »Kapitän Krateos, darf ich vorstellen, Lina Asopos. Er begleitet die für ihn ungewohnte Ansage mit einer weitausladenden Geste, die er einmal in einem alten Mantel-und-Degen-Film gesehen hat.
»Asopos«, ruft der Kapitän. »Einer unsere größten Dichter. Welche Ehre seine Ur-urenkelin kennenzulernen.«
Lina himmelt den Kapitän unverhohlen an, unfähig etwas zu sagen.
Krateos scheint das nicht zu stören. »Wie ich sehe, ist die Mode nicht stehen geblieben. Für dieses Kleid würde Euch sogar Aphrodite beneiden. Ihr seht hinreißend darin aus. Wie eine Vegebonie an ihrem dritten Tag im Morgentau.
Lina nimmt das Kompliment strahlend entgegen.
Rigo fragt sich, was genau eine Vegebonie an ihrem dritten Tag macht. Vielleicht Goldbänder ins Haar flechten? Oder einfach nur Aliens anschmachten? Das Getue der beiden geht ihm auf die Nerven.
Der Kapitän bietet ihr seinen Arm. »Kommt! Ich möchte Euch etwas zeigen«
Linas Blick gleitet über seinen durchtrainierten Modellathletenkörper. Sie hebt den Kopf, um mit seinen Augen Kontakt aufzunehmen. Beiläufig legt die junge Dame ihre Hand auf seinen Unterarm und lässt sich führen. Über die Schulter wirft sie einen triumphierenden Blick zurück. »Siehst du! Alientaugliche Garderobe!«
Rigo kann nur noch den Kopf schütteln. Widerstrebend muss er anerkennen, dass das hochgelobte Kleid perfekt mit der königsblauen Toga des Kapitäns harmoniert.
So, wie die beiden voranschreiten, muss er sich beeilen, seinen Platz auf der anderen Seite von Lina einzunehmen. Er bietet auch seinen Arm an, aber sie hat nur Augen für den Kapitän. Zu dritt marschieren sie Richtung Hallenmitte.
Rigo nimmt sich vor, bei nächster Gelegenheit den Inhalt des Med-Kits zu checken. Ob das wirklich ein Beruhigungsmittel war? Er muss sich vergriffen haben.
»Ihr müsst mir unbedingt die Ode Frühlingstraum Eures Ururgroßvaters rezitieren. Ihr habt bestimmt eine wundervolle Stimme, Lina.«
Im Zentrum angekommen schließt der Kaptiän die Augen. Kurz darauf löst sich aus dem Boden eine Kreisrunde Scheibe und befördert sie nach unten. »Ich würde Euch lieber zuerst das Schiff zeigen, aber die Zeit drängt. Deshalb führe ich euch gleich auf die Brücke der Helios. Dort erfahrt Ihr alles, was Ihr wissen müsst.«
Der Raum, in dem sie kurz darauf ankommen, sieht ganz und gar nicht aus, wie der Kommandostand eines Alien-Raumschiffs. Eher wie eine Lounge. Scheinbar wahllos stehen bequeme Sessel und Liegen herum. Krateos bietet ihnen einen Platz an.
Sobald Rigo sitzt, verändert sich seine Umgebung. Er befindet sich auf einem fremden Planeten. Einiges erscheint vertraut, doch bei genauerem Hinsehen zeigen sich deutliche Unterschiede zu irdischen Tieren und Pflanzen.
Dann ertönt die Stimme des Kapitäns. »Der fünfte Planet dieses Sonnensystems war unsere Heimat. Wir selbst nennen uns Atlanter. Vor 12.324 Jahren Eurer Zeitrechnung erschien plötzlich ein unbemanntes Raumschiff im Sonnensystem. Es hatte eine Hülle aus purem Gold. Wir haben es eingefangen und untersucht. Unsere Wissenschaft war weit fortgeschritten. Deshalb dauerte es nicht lange, bis wir die Technologie des Raumschiffes verstanden.
Doch wir konnten es nicht in Betrieb nehmen, da wir die dafür benötigte negative Energie nicht herzustellen vermochten. Unsere Wissenschaftler haben lange nach einer Lösung gesucht. Schließlich fand Enalithos, einer unserer besten Wissenschaftler, eine geniale Lösung. Er schlug vor, die negative Energie in der Hülle zu erzeugen. Dies erforderte jedoch, einen kompletten Umbau derselben. Sie ist jetzt von Nanometer großen Hohlräumen durchsetzt. Wie ein Schweizer Käse. Wir nutzen einen physikalischen Effekt, der bei geeigneter Anordnung der Zellen auf Basis eingeschränkter Quantenfluktuationen negative Energie erzeugt. Die Ausbeute pro Einheit ist winzig aber bei der Größe der Hülle summiert sich der Betrag.
Es gibt allerdings ein Problem. Bevor wir herausfinden konnten, wie man die Produktion der negativen Energie anregt, wurde unser Planet zerstört. Es gab keine Warnung, kein Ultimatum, nichts. Sie brachten ihr Raumschiff in Position, fuhren ihre Kanone aus und feuerten sie ab. Die Trümmer des Asteroidengürtels sind der Rest unseres Planeten. Wir wissen nicht einmal, wie diese Aliens heißen.
Wer Glück hatte und in einem Raumschiff unterwegs war rettete sich auf die Erde. Nur wenige überlebten.
Jetzt ist dieses Raumschiff wieder aufgetaucht. Ihr habt noch 4 Stunden und 42 Minuten, bis die Aliens die Erde erreicht haben. Ich fürchte, dann werden sie auch Euren Planeten zerstören.«
»Was?« Schreit Lina und springt auf. »Das kann nicht sein. Das ist ein schlechter Scherz, oder?«
»Leider nein«, bedauert der Kapitän.
»Können wir die Zerstörung der Erde verhindern?«, fragt Rigo.
»Ich denke ja. Aber nur wenn es uns gelingt, den Antrieb der Helios in Betrieb zu nehmen.«
»Wie ist er denn noch nicht in Betrieb?« Wundert sich Lina.
»Nein. Wir müssen erst den Resonator für die Produktion der negativen Energie aktivieren.
»Und warum tun wir das nicht?«, fragt Rigo genervt den Kapitän, der nur scheibchenweise mit Informationen rausrückt.
»Weil ich nicht weiß, wie. Ich hatte gehofft, Ihr könnt mir das sagen«, antwortet der Atlanter betrübt.
»Wir?« Die beiden Erdlinge sind schockiert. Verwundert blicken sie sich an. Der Vizepräsident von Timaios findet als Erster wieder die Sprache. »Wieso wir? Wir haben keine Ahnung, wie das hier funktioniert. Schon gar nicht wie man negative Energie herstellt.«
Der Kapitän mustert sie eine Weile. »Irgendetwas, das Ihr getan habt, muss die Helios aktiviert haben. Wie ist sie zum Erdmond gekommen? Als ich zu Bewusstsein kam, schwebte mein Raumschiff einige hundert Meter über dem Mond und war mit negativer Energie aufgeladen. Kurz darauf war sie verbraucht und Ihr seid mit Eurem Gleiter auf meinem Schiff gelandet.«
Rigo macht ein nachdenkliches Gesicht. Lina sieht ihn erwartungsvoll an. Ebenso Krateos. Das alles hat mit meiner Mum angefangen. Sie würde ihm einiges zu erklären haben. »Meine Mutter hat dieses Raumschiff gefunden und zum Mond geschickt. Wenn jemand weiß, wie das hier funktioniert, dann sie.«
Hoffnung keimt im Gesicht Krateos auf »Wo ist sie? Können wir mit ihr sprechen?«
»Auf der Helena. Das ist ihr Raumschiff. Sie wollte Morgen hier sein.«
»Auf welcher Frequenz kommuniziert ihr?«
Rigo gibt ihm die Daten. Nach ein paar Sekunden erscheint Helenas Avatar auf der Brücke der Helios.
Helena blickt sich kurz um, entdeckt Rigo und legt sofort los. »Na endlich ein Lebenszeichen von dir. Ich versuche seit Stunden, dich zu erreichen. Wo genau befindest du dich? Oh! Wo habt ihr diesen Griechen aufgegabelt? Der sieht ja verdammt gut aus. Da könnte selbst ich noch mal schwach werden.
Du hast mächtig Mist gebaut, weißt du das? Du hast einen Goldrausch ausgelöst. Kannst du denn nicht mal die einfachsten Sachen richtig machen? Was genau hast du von meiner Anweisung nicht verstanden das Gold auf dem Mond zu vergraben? Jetzt ist die Hölle los. Die ganze Welt ist auf dem Weg zu unserem Sektor.«
»Das ist alles deine Schuld, nicht meine. Das war keine einfache Goldkugel, die du geschickt hast, sondern ein Alien-Raumschiff. Und wir haben ein ganz anderes Problem. In gut viereinhalb Stunden wird die Erde zerstört werden, wenn wir dieses Raumschiff bis dahin nicht voll funktionsfähig kriegen.«
»Woher willst du das wissen?«
»Kapitän Krateos sagt das.«
»Krateos? Sprichst du von diesem Traummann hier?«, fragt Helena und wendet sich dem Kapitän zu. »Rigo willst du uns nicht vorstellen?«
Helenas Sohn fragt sich, was an dem Atlanter dran ist, dass alle Frauen auf ihn abfahren und sich auf ihn stürzen wie Bienen auf die ersten Frühlingsblüten. So toll sieht er nun auch wieder nicht aus. Lange Locken, wie eine Frau. Die Muskeln eindeutig überdefiniert. Und was soll diese altmodische Sitte, sich vorstellen zu lassen? Trotzdem tut er seiner Mutter den Gefallen. »Helena, das ist Kapitän Krateos von dem ehemaligen Planeten Atlantis. Kapitän Krateos, das ist Helena Ksciezyk, Präsidentin von »Timaios Space Mining Corporation und meine Mutter.« 
Der Atlanter verneigt sich. »Präsidentin Helena, es ist mir eine Ehre Euch kennenzulernen. Noch dazu, da Ihr in Beziehung mit General Timaios steht.«
Misstrauisch taxiert Helena den Kapitän. Der Name Timaios steht in Verbindung mit Atlantis. Der Adonis behauptet Atlanter zu sein und ist Kapitän des goldenen Raumschiffs. Sie muss mit allen Mitteln verhindern, dass er Besitzrechte geltend macht. »Es ist mir eine Ehre meinerseits«, sagt sie höflich. »Ich habe diese Goldkugel im Asteroidengürtel gefunden. Die UNaSMiC hat verfügt, dass alles, was dort gefunden wird, Eigentum des Finders ist.«
»Hochverehrte Präsidentin, in wenigen Stunden wird die Erde von Aliens zerstört. Danach werden sie sich diese Goldkugel, wie Ihr mein Raumschiff nennt, zurückholen. Wir sollten uns darauf konzentrieren, wie wir die Helios voll einsatzfähig machen.«
Helena entfährt ein Seufzer. Offensichtlich hat sie sich mit dem Fang mehr eingehandelt als erwartet. Jetzt muss sie sich nicht nur mit einem Alien um das Gold streiten, sondern auch noch die Welt retten. »Das kann jeder sagen.«
Der Atlanter antwortet mit einer Geste. Mitten im Raum erscheint eine dreidimensionale Darstellung des Sonnensystems. Der Kapitän deutet mit dem Finger auf einen Punkt in der Nähe des Mondes. Die unsichtbare Kamera zoomt auf die Helena. Weit hinter ihr, in der Nähe des Asteroidengürtels, wird ein bewegtes Objekt angezeigt. »Das ist das Schiff der Aliens. Es sieht genauso aus, wie das, das unseren Planeten zerstört hat«, erklärt er. Mit einer Geste zeigt er ihr eine Videosequenz, wie sie den Gammastrahlenlaser ausfahren und abfeuern. »Ihr Raumschiff befindet sich in einer Raumzeitblase, die von negativer Energie erzeugt wird. Im Moment fliegen sie mit einem Zehntel der Lichtgeschwindigkeit. In 4 Stunden und 28 Minuten werden sie die Erde erreicht haben.«
»Hmmm«, brummt Helena nachdenklich. »Das sieht echt bedrohlich aus. Leider kenne ich mich mit Eurer Technologie nicht aus. Vielleicht erklärt ihr mir mal, was das Problem ist.«
Krateos gibt eine kurze Zusammenfassung. Helena druckst verlegen herum. Rigo kennt seine Mutter gut genug, um zu wissen, dass sie etwas verheimlicht. »Mum, wie habt ihr das Raumschiff gefunden?«
»Na gut, gibt Helena nach. Ich zeige Euch die Aufzeichnung. Es muss aber unter uns bleiben. Auf keinen Fall darf das an die Öffentlichkeit.«
»Also das ist doch die Höhe, Mum«, empört sich Rigo, nach dem Video. »Da tun sich ja Abgründe auf! Wieso hast du mir verschwiegen, dass du Beweise für außeririsches Leben zerstört hast, der Asteroid explodiert ist und Marvin von einem EMP getötet wurde?«
»Nicht getötet. Er liegt im Koma. Sozusagen.«
»Mum!« Mahnt Rigo.
Der Kapitän macht eine beschwichtigende Geste. »Der EMP erklärt einiges. Er ist die Folge eines Hyperraum Signals. Ich bin mir sicher, dass die Aliens einen Sender mit dem Raumschiff verbunden haben, der zusammen mit ihm aktiviert wird. Das war eine Falle.«
»Und das Signal hat auch den Asteroiden gesprengt?«, fragt Lina.
»Nein! Der wurde durch die negative Energie des Raumschiffes zerrissen. Die hat eine abstoßende Wirkung.«
»Bleibt immer noch die Frage, was die negative Energie aktiviert hat«, sinniert Rigo. »Das müsst Ihr doch wissen, Kapitän. Ihr seid die ganze Zeit im Raumschiff gewesen.«
»Diese Aktivierung habe ich nicht mitbekommen. Erst die auf dem Erdmond. Aber erst nachdem die negative Energie produziert wurde. Ihr müsst wissen, die Hülle trennt gewissermaßen positive Energie von der negativen. Letztere wird von der Schwerkraft der Goldhülle abgestoßen und nach außen gedrängt. Die positive Energie wandert nach Innen und wird gespeichert. Bei dem Aufprall wurde eine Menge Energie frei. Damit wurde der Fusionsreaktor gezündet, der alle Funktionen im Raumschiff versorgt.«
»Beide Aktivierungsereignisse müssen etwas gemeinsam haben«, vermutet Rigo.
»Aber was«, denkt Lina nach.
»Hmmm«, brummt Helena. »Der Laser und der Aufprall auf dem Mond haben in beiden Fällen Energie auf die Hülle übertragen. Kann das die Produktion der negativen Energie angeregt haben?«
»Schon möglich«, murmelt der Kapitän. »Aber etwas fehlt noch.«
»Ich hab’s«, ruft Lina. »Sagtet Ihr nicht, dass die Produktion angeregt werden muss? Heißt das nicht, dass die von außen zugeführte Energie mit einer bestimmten Frequenz übertragen werden muss?.«
Rigo blickt skeptisch auf seine Freundin. »Was verstehst du eigentlich davon?«
Lina blickt verlegen. »Physik ist mein Hobby. Speziell Quantengravitation.«
Bevor Rigo noch weitere Zweifel anbringen kann, erhält die Vegebonie Rückendeckung vom Kapitän. »Der Computer der Helios hat das bestätigt. Jetzt fehlt uns nur noch die Frequenz.«
»Helena zeig uns noch mal die Aufnahme, in der du mit dem Laser den Asteroiden zersägst«, verlangt Lina. Das Testat durch den Aliencomputer hat ihr Selbstvertrauen gestärkt.
Helena startet das Video. »Stopp«, befiehlt die Hobbyphysikerin. »Jetzt Zeitlupe. »Seht ihr wie der Nebel pulsiert? Ich möchte wetten, das ist die Frequenz, die wir suchen.«
Jeder blickt erwartungsvoll auf den Kapitän. Der produziert einen erstaunten Gesichtsausdruck. »Der Computer sagt, dass der Resonator der Helios diese Frequenz nicht produzieren kann. Jetzt verstehe ich auch, warum es uns damals nicht gelungen ist, den Antrieb zu aktivieren.«
»Ja, das kennen wir«, kommentiert Helena trocken. »So viel zu Theorie und Praxis.«
Das Wechselbad der Gefühle zerrt an Rigos Nerven. »Verdammt noch mal«, schimpft er. »Wir können doch nicht einfach so rumsitzen und zusehen, wie die Erde von aggressiven Aliens zerstört wird. Wir kennen sie nicht einmal.«
»Das werden wir auch nicht«, versichert Krateos. »Der Computer hat bereits begonnen den Resonator so zu modifizieren, damit er die entsprechende Frequenz erzeugen kann.«
»Gut« beruhigt sich Rigo etwas. »Wie lange dauert das?«
»Knapp drei Stunden«, verkündet der Kapitän. »Ich weiß, das ist knapp, aber es wird reichen.«
»Was treibt eigentlich den Resonator an?« Fragt Lina neugierig.
»Der Fusionsreaktor. Wenn ihr wollt zeige ich Euch gerne das Schiff. Bis die Modifikationen des Resonators abgeschlossen sind, können wir sowieso nichts tun.«
»Gut«, stimmt Rigo zu. »Als Erstes möchte ich die Kanone sehen, mit denen wir die Aliens aus dem Raumzeitgefüge pusten.«
»Da muss ich Euch leider enttäuschen, Vizepräsident. Es gibt keine.«
»Es-gibt-keine«, plappert Rigo erschrocken nach. »Und wie sollen wir diese Aliens dann besiegen?«
»Wir müssen improvisieren.«
Rigo kann es noch immer nicht fassen. Sprachlos schüttelt er den Kopf.
»Tut mir leid«, entschuldigt sich der Kapitän. »Unser Planet wurde zerstört, bevor wir mit dem Raumschiff fertig waren. Ein Gammastrahlenlaser war im Bau aber noch nicht in die Helios integriert.
»Wie wird denn das Raumschiff gesteuert?« Wechselt Lina das Thema. »Ich war immer der Meinung, dass man Raumzeitblasen nicht von innen heraus steuern kann.«
Krateos schenkt ihr ein bewunderndes Lächeln. »Das dachten wir auch. Aber eine der genialen Ideen von Enalithos war die Form der Raumzeitblase von innen zu manipulieren durch unterschiedliche Verteilung der negativen Energie«
»Ah, ich verstehe. Der Resonator kann einzelne Bereiche der Hülle unterschiedlich stark anregen. Dadurch entsteht dort mehr oder weniger negative Energie.«
»Genau«, bestätigt der Kapitän.
Rigo starrt seine Freundin mit offenem Mund an.
»Pass bloß auf dieses Mädchen auf. Die will ich als Schwiegertochter«, raunt Helena ihrem Sohn zu. »Das Girl ist hübsch und intelligent. Wehe du vermasselst das.«
»Mum!«, protestiert Rigo. 
»Und das bewirkt eine unterschiedlich starke Verdichtung der Raumzeit, nicht wahr?«
Krateos nickt.
»Dann gleitet das Schiff durch die Raumzeit wie ein Surfer auf einer Welle.«
»Netter Vergleich, meine überaus schlaue Professorin. Asopos wäre zu Recht stolz auf Euch.«
Lina strahlt mit der Goldhülle um die Wette. Helena wirft ihrem Sohn einen Blick zu, der Bände spricht. Rigo bringt sein Gehirn auf Höchstleistung. Wenn er Lina noch länger die Initiative überlässt, ist die Katastrophe vorprogrammiert und er hat gar nichts mehr zu sagen. »Wenn man eine entsprechende Sequenz unterschiedlich starken Anregungen in den Resonator programmiert, müsste es möglich sein, eine Raumzeitblase auf einen Gegner zu schießen. So eine starke Verzerrung der Raumzeit müsste ihn in Stücke reißen.«
»Aber nur, wenn er nicht selbst in seiner eigenen Raumzeitblase weilt«, wendet die zur Professorin erhobene junge Dame ein. »Ansonsten neutralisieren sie sich.«
»Na dann lass dir was einfallen, wie wir die Aliens aus ihrer Raumzeitblase herausholen«, stichelt Rigo mürrisch. »Viel mehr als eine Stunde bleibt dir dafür aber nicht, Frau Professor.«

                                                                              

7.  Abschied

»Sieh dir das an Ethan. Sowas hast du noch nicht gesehen.«
»Schon gut Jim. Ich bin ja nicht blind.«
»Eine Goldkugel mit 430 Metern Durchmesser schwimmt in flüssigem Gestein. Allein die Farbkombination. Rot, Gold und darüber der schwarze Sternenhimmel«, schwärmt Jim.
»Von dem jungen Ksciezcyk ist nichts zu sehen. Kein Gleiter, kein Notruf. Nichts.«
»Ich hoffe für ihn, dass er nicht da unten irgendwo in dem Hexenkessel schwimmt.«
»Wo soll er denn sonst sein? Ich fürchte, er hat sein Riesenbaby unterschätzt. Vermutlich ist ihm der Goldschatz auf den Kopf gekracht.«
»Apropos Goldschatz, Ethan. Wieso schmilzt eigentlich das Gold nicht?«
»Keine Ahnung Jim. Aber das werden wir gleich herausgefunden haben. Lass uns diesen Jahrtausendfund mal etwas genauer inspizieren. Platz zum Landen gibt’s da auf jeden Fall genug.«

»Was machst du da Jim? Du kannst doch nicht einfach mit dem Laser ein Stück herausschneiden.«
»Wieso nicht? Bei der Menge merkt das doch keiner.«
»Jim, wir sind die offiziellen Vertreter der UNaSMiC. Der Claim hier gehört Timaios Space Mining Corporation. Wir sind verpflichtet das Eigentum der Prospektoren zu schützen, nicht zu rauben.«
»Ethan, in welcher Welt lebst du eigentlich? Die Nachricht ist schon längst durchgesickert. In ein paar Stunden wimmelt es hier nur so von Goldsuchern. Die werden hier anbranden, wie eine Tsunamiwelle, das Schätzchen hier in Stücke reißen und mitnehmen. Das können wir nie und nimmer verhindern. Besser wir nehmen, was wir kriegen können und machen uns aus dem Staub. Außerdem ist das nur ein Probestück für die Laboranalyse.«
»Und was wird aus dem Jungen und dem Mädchen? Vielleicht leben sie ja noch. Wir sind verpflichtet, ihnen zu helfen.«
Jim ist im Goldrausch und nicht mehr in der Lage auf rationale Argumente zu hören. Er aktiviert seinen Laser und beginnt mit dem Schneiden. »Die sind doch ...«
In diesem Moment verändert sich die Oberfläche der Goldkugel. Ethan sieht, wie sich Flecken auf ihr bilden. Sie machen die Kugel durchsichtig. Er sieht die brodelnde Lava auf der anderen Seite, in der das Objekt der Begierde schwimmt. Ehe er versteht was passiert wird er von einer Riesenfaust gepackt und ins Weltall katapultiert. Das Letzte, was er sieht, ist wie der Krater unter ihm explodiert. Lava wird herausgepresst und riesige Mondgesteinsbrocken ins Weltall geschleudert. Mondbebenwellen breiten sich kreisförmig aus und eine Druckwelle aus Staub wälzt sich auf Gleiter zu, die aus allen Richtungen heranfliegen. 

                                                                            ***

»Kapitän Assarik, das sollten Sie sich ansehen.«
Der Kommandant der Purge1717 wirft einen Blick auf die dreidimensionale taktische Darstellung der Umgebung des Raumschiffs. Ein Objekt ist rot markiert. Es liegt nicht in der Natur des Offiziers zu fluchen, aber jetzt kann er den Impuls nur mit Mühe unterdrücken. Er war schon immer der Meinung gewesen, dass sein Vor-Vor-Vorgänger vor 11.324 Jahren einen schlechten Job gemacht hat. Er hätte damals auch gleich die Sonne vernichten sollen. Dann hätte es garantiert keine Überlebenden gegeben. Manche sind für diesen Job einfach zu weich. Das würde ihm nicht passieren.
»Die Nachfahren dieser Rasse haben sich schneller weiterentwickelt als uns lieb sein kann. Offensichtlich beherrschen sie die negative Energie. Das Geheimnis des Goldes ist keines mehr. Wir müssen vorsichtig sein. Wir werden zuerst dieses Raumschiff vernichten.
Dann tanken wir diese Sonne und zerstören vorsichtshalber alle deren Trabanten.
Das Gold aus den Planetenkernen nehmen wir als Beifang mit nach Hause.«
Der Erste Offizier ist schockiert. Das wird Jahre dauern. Er hatte seiner Frau versprochen, spätestens in sechs Jahren wieder zurück zu sein. Doch gegen den Befehl des Kapitäns kann er nichts machen. Widerwillig befiehlt er Kurs auf das feindliche Raumschiff.

Fast nicht zu sehen und von den Menschen unbemerkt, stehen sich zwei Raumschiffe gegenüber. Lautlos schweben sie, jedes für sich, in seiner eigenen Raumzeitblase. Die Technologie der Erdlinge ist nicht genug fortgeschritten, um solche Phänomene entdecken zu können. Lediglich mit einem guten Teleskop könnte man die ungewöhnliche Verzerrung der Raumzeit sehen. Doch im Moment gilt die gesamte Aufmerksamkeit der Menschen einem sagenhaften Goldfund auf der Rückseite des Mondes.
So kommt es, dass das Überleben der Menschheit von den Entscheidungen der wenigen Besatzungsmitglieder zweier Raumschiffe mit Goldhülle abhängt.
»Das winzige Ding soll uns gefährlich werden können?«
»Die Größe ist nicht entscheidend, Kapitän«, erklärt der Waffenoffizier der Mennerianer. »Auch wenn der Durchmesser dieses Schiff nur ein Zehntel der Purge1717 beträgt, kann uns ein Gammastrahlenlaser vernichten.«
»Nicht solange wir von unserer eigenen Raumzeitblase geschützt sind. Die Gammastrahlen werden um uns herum gelenkt.«
»Es sei denn, sie treffen uns zentral in der Mitte«, gibt der Waffenoffizier zu bedenken.
Der Kapitän zögert einen Moment. »Unwahrscheinlich, dass ihnen das gelingt. Wir haben das größere Schiff und mehr negative Energie in unserer Hülle gespeichert als die. Wir verpassen ihnen eine ordentliche Ladung davon. Das wird ihre Raumzeitblase zerreißen. Dann können wir sie mit unserem Gammastrahlenlaser nach dem Lehrbuch in Stücke schneiden. 25 Prozent sollten mehr als genug sein.«
»Sollten wir nicht doch mit ihnen verhandeln?« Wagt der 1. Offizier Bedenken anzumelden.
»Verhandeln? Haben Sie den Verstand verloren? Wozu sollen wir mit denen verhandeln,«, fährt Assarik seinen leitenden Offizier an. »Wir verhandeln nicht. Wir zerstören wann und wo immer wir intelligentes Leben finden.«
Gassazas lässt sich nicht so leicht beirren. »Sie kennen das Geheimnis des Goldes. Ich denke, es ist besser erst einmal herauszufinden, wie viel sie wissen. Schießen können wir dann immer noch.«
Der Kommandant antwortet entschlossen. »Verhandlungen verschaffen denen nur Zeit. Womöglich finden sie einen Schwachpunkt bei uns. Das Überraschungsmoment ist auf unserer Seite. Wir schlagen hart zu, vernichten alles und verschwinden dann. Ich denke wohl, es gibt hier niemanden auf der Purge1717, der nicht als Held und Sieger nach Hause zurückkehren möchte. Nicht wahr Gassazas?«
»Nein Sir«, gibt dieser klein bei.
»Feuer«, befiehlt der Kapitän.
Ein Fetzen Raumzeit löst sich von dem Kriegsschiff und rast mit Lichtgeschwindigkeit Richtung Helios. Für einen kurzen Moment wird das beschossene Raumschiff sichtbar. Es erstrahlt hell und glänzend im Sonnenlicht. Dann verschwindet es wieder in seiner eigenen Raumzeitblase.
»Analyse«, verlangt Asssarrik verblüfft.
Die Zeitlupenaufnahme zeigt, wie sich die beiden Raumzeitblasen miteinander verwinden und verwirbeln. Für einen Moment scheint es, als ob die Blase der Helios sich der größeren erwehren kann. Doch dann reißt die mächtigere der beiden, die kleinere mit sich, und die Helios wird sichtbar.
 

                                                                                ***

»Was war das«, fragt Lina erschrocken. Sicherheitshalber stellt sie sich ganz nah neben Kapitän Krateos.
Dieser aktiviert mit einer Geste ein Analyseprogramm. Mittlerweile hat sich die gemütliche Wohnlandschaft der Brücke in eine kampftaktische Darstellung der Umgebung verwandelt. Die Besatzung steht praktisch im Weltall und kann alles von außen beobachten. Dazwischen sind die virtuellen Anzeige- und Bedienelemente für die Steuerung der Helios arrangiert.
Rigo wirft Lina einen missgünstigen Blick zu und deutet auf seine Plasmablaster. Lina setzt eine mitleidige Etwas-Größeres-hast-du-nicht-zu-bieten-Miene auf, über die nur Frauen verfügen.
Der Kapitän kommentiert die Analyse des Angriffs.
»Wow«, fasst Helena zusammen, die immer noch per 3D-Videokonferenz virtuell anwesend ist. »Erstaunlich, was das Raumschiff alles aushält. Meines wäre bei diesen Verzerrungen auseinandergebrochen«
»Meines auch«, gibt der Atlanter zu. »Ohne die schützende Raumzeitblase wäre das unser Ende gewesen.«
»Ich habe aber was gespürt und das war ziemlich unangenehm«, berichtet Lina.«
»Das haben wir alle. Und das sollte uns daran erinnern, dass unser Schutz Grenzen hat. Es wird Zeit, den Aliens einen Gruß zurückzuschicken.«
Doch bevor Krateos dazu kommt, werden sie ein zweites Mal getroffen. Diesmal härter. Lina hat für einen Moment das Gefühl, auseinandergezogen und verdreht zu werden. Für einen Augenblick glaubt sie, die roten Sohlen ihrer Louboutins von unten zu sehen. Ihr schwindelt und sie muss ihren ganzen Willen einsetzen, damit sie stehen bleibt. Nebenbei wird ein Alarm ausgelöst und etliche Anzeigen schalten auf Rot. Der Kapitän und Helena verschwinden.
Lina findet sich plötzlich alleine im Weltall stehend wieder. Erschrocken sieht sie sich um. Rigo ist einige Schritte entfernt. Sie will zu ihm aber in dem Moment bricht auch die virtuelle Realität zusammen und es wird dunkel. Sie erstarrt, öffnet den Mund für einen Schrei, bringt aber keinen Ton heraus.
»Lina bist du noch da?« sorgt sich Rigo.
Dann geht das Licht wieder an und aus dem Boden fahren Bedienfelder und 3D Bildschirme hoch. Auf einem erscheint das Gesicht des Kapitäns. Hektisch gibt er Anweisungen. »Wir wurden von einem Gammastrahlen-Laser getroffen. Sie haben den Moment ausgenutzt, als unsere Raumzeitblase zusammenbrach. Der Schaden hält sich zum Glück in Grenzen wegen der dicken Goldhülle und weil unsere Raumzeitblase schnell genug wiederhergestellt wurde.
Jetzt brauchen wir sämtliche verfügbare Computerkapazität zum Reparieren. Auf den Luxus eines dreidimensionalen Avatars meinerseits müssen wir vorerst verzichten.
Ihr müsst die Helios von Hand steuern. Rigo, Ihr übernehmt die Waffe und Lina die Steuerung. Wir müssen ständig in Bewegung bleiben und möglichst unerwartete Manöver fliegen.«
Der Vizepräsident lässt sich nicht lange bitten und feuert negative Energie auf den Feind. Die Anzeige zeigt sofort wieder Feuerbereitschaft an. Die Einladung ist nach seinem Geschmack. Wieder und wieder drückt er den Knopf, bis der Resonator mit der Produktion nicht mehr nachkommt.
Lina wirft ihm einen vorwurfsvollen Blick zu, da sie jetzt nicht mehr manövrieren kann.
Die Schüsse zeigen Wirkung. »Yeahhh jubelt Rigo. Denen haben wir’s gezeigt. Habt ihr gesehen, wie die durchgeknetet wurden? Und ihre Raumzeitblase ist auch weg. Schade, dass es nicht gereicht hat. Noch ein Schuss und ich hätte sie in Stücke geblasen.«
»Freu dich nicht zu früh«, ertönt die Stimme von Helena über Funk. »Sie bringen gerade ihre Gammastrahlenkanone in Position.«
Rigo starrt entsetzt auf die kampftaktische Darstellung. »Mum, was tust du da? Du fliegst ja direkt in die Schussbahn. Halt dich da raus. Verschwinde.«
»Keine Sorge, Rigo. Ich weiß, was ich tue. Ich liebe dich. Kümmere dich um Lina. Ich mag sie.«
»Krateos, wie lange noch, bis wir wieder negative Energie haben?« Verlangt Rigo hektisch.
»Neun Sekunden.«
»Lina kannst du gar nichts machen? Bring uns hier weg!« schreit Rigo verzweifelt.
Lina schüttelt den Kopf.
»Helena, warten Sie«, ruft der Atlanter. Ich finde eine andere Lösung. Gleich hab‘ ich‘s. Drehen Sie ab ...«
»MUMMM!« Vor seinen Augen explodiert das Raumschiff. Fassungslos starrt Rigo auf die Überreste der Helena. Aus den Augenwinkeln sieht er, wie die Anzeige für die Feuerbereitschaft auf Grün springt. Rigo drückt den Knopf. Wieder und wieder. Selbst als die Anzeige auf Rot springt, drückt er immer noch.
Die Raumzeitblasen reißen das Alienraumschiff in Stücke. Ein grellweißer Blitz aus dem Zentrum besiegelt endgültig dessen Schicksal. Riesige Goldbrocken treiben lautlos durchs Weltall.
Erst als Lina ihn in ihre Arme nimmt und an sich drückt, kann Rigo aufhören, den Knopf zu betätigen. Wortlos starrt er auf die Stelle, an der er die Helena zuletzt sah. Winzige Bruchstücke streben eilig in alle Richtungen davon, um Zeugnis der Schandtat bis in den letzten Winkel des Universums zu tragen.
Am unteren Rand der kampftaktischen Darstellung blinkt ein Punkt. Es ist ein schwaches Radiosignal. Tränen drängen sich in Rigos Augen und trüben seinen Blick. Das Notrufsignal verschwimmt mit den kümmerlichen Resten der Helena zu einer Collage der Trauer. Unbeachtet wandert das einsame Zeichen aus dem Anzeigebereich.


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