Idee und Inhalt meines Buches

"Jede entsprechend weit fortgeschrittene Technologie ist von Magie nicht zu unterscheiden" (Zitat von Arthur C. Clarke)


Diese Idee hat mich nicht mehr losgelassen bis ich schließlich damit begonnen habe ein Buch darüber zu schreiben. Es geht um virtuelle Welten, die so perfekt simuliert sind, dass sie von der realen Welt nicht mehr zu unterscheiden sind. Da in der virtuellen Welt alles möglich ist, gibt es in meinem Buch sowohl Zukunftstechnologie, wie sie in Science Fiction Romanen zu finden ist, als auch typische Fantasy Elemente wie Magie, Fabelwesen und Fantasiewelten.

In meinem Blog werde ich nicht nur über den Fortschritt meines Buches berichten, sondern auch allgemein zu SciFi und Fantasy Themen.

Gerne lasse ich mich hierbei von euch inspirieren.

Wer mag, kann mich gerne direkt kontaktieren: roy.ofinnigan@t-online.de

Diesen Blog durchsuchen

Sonntag, 21. August 2016

Vom Ursprung der Mythen



© Coreyford | Dreamstime.com - <a href=«https://www.dreamstime.com/royalty-free-stock-image-phoenix-bird-image37352456#res73479«>Phoenix Bird Photo</a>

Es ist Sommer. Trotz der Wetterkapriolen auch dieses Jahr eine Zeit bei der man an lauen Abenden draußen sitzen kann. Vielleicht sogar an einem Lagerfeuer unter Sternenhimmel. Wenn alle gegessen haben und mit tiefen Blicken ins Feuer sich aufgewärmt haben setzt sich (fast) immer ein uraltes Ritual in Gang.

Wie aus dem Nichts taucht plötzlich ein Musikinstrument auf. Meist ist es eine Gitarre. Dazu ein Spieler oder eine Spielerin. Die Menschen fangen an zu singen und sich Geschichten zu erzählen. Der Ablauf ist in dieser Situation so unvermeidlich, dass es sich seit Urzeiten irgendwie in unseren Genen eingebrannt haben muss.



In solchen Situationen versuche ich mir vorzustellen, wie das damals war, als die Menschen das Feuer erfanden, sich abends davorsetzten, die ersten Lieder sangen und anfingen sich etwas zu erzählen. Schon oft habe ich mich gefragt, was waren die ersten Stories und worum ging es dabei?
Hat man sich Geschichten über Götter, Zauberer und Geister erzählt? Wenn ja, wer waren ihre Götter? Wie hießen die Geister und Zauberer? Welche Heldentaten hatten sie vollbracht?

Bestimmt waren auch dramatische Liebesgeschichten dabei. Mit Lüge, Intrige, Verrat, Treue, Herzschmerz und ... und am Ende wurde alles gut. Bestimmt damals schon. Und wenn es nicht gut wurde, war es noch nicht das Ende.

Oder ging es eher um Banales, was man tagsüber erlebt hatte? Vermutlich ging es auch damals schon um Klatsch und Tratsch und die ewige Frage, ob diesen Winter Mammutfell in sein wird oder mal wieder Säbelzahntigerpelz.

Na gut, Spaß beiseite. Jedenfalls müssen damals die ersten Mythen entstanden sein. Vieles mag unwiederbringlich verloren gegangen sein. Aber einige der Geschichten – dessen bin ich mir sicher - sind in das Urrepertoire der Menschheit eingegangen. Wenn dem so ist, stellt sich unweigerlich die Frage, wo finden sie sich wieder? In unseren Märchen, Sagen und Legenden? Vermutlich. Aber, was war das ursprüngliche Original und was wurde mit der Zeit verändert, hinzugefügt oder weggelassen?
Bis vor nicht allzu langer Zeit dachte ich, dass man das nie herausfinden könnte. Doch nun hat sich herausgestellt, dass es doch einen Weg gibt.

Natürlich gibt es keine Zeitzeugen mehr, die man befragen könnte. Es gibt weder Videos noch Tonaufnahmen, denn damals gab es noch keine Smartphones, keine Computer und keine NSA, die alles aufzeichnet.

Um die jüngeren meiner Leser zu beruhigen: Es gab damals schon eine Art soziale Medien. Wichtige Posts wurden an Höhlenwände gemalt oder in Steine gemeißelt. Man kann sie sogar heute noch bestaunen. Die Menschheit hatte also auch in der Steinzeit bereits ein Internet, das nichts vergaß.




Okay ich schweife ab. Zurück zum Thema. Wenn es also keine Zeitzeugen und keine Aufzeichnungen gibt, haben unsere Vorfahren vielleicht andere Spuren hinterlassen, die uns vielleicht helfen ihre Mythen zu rekonstruieren?

Ich denke ihr wisst was ich meine. Schauen wir uns mal die Bilder, die sie uns hinterliessen genauer an. Besonders eindrucksvolle und gut erhaltene gibt es in der Höhle von Lascaux in Frankreich. Sie wurden von Steinzeitmenschen vor ca. 38000 bis 21000 Jahren gemalt. Überwiegend zeigen sie Tierbilder und Jagdszenen.




Eines der Bilder jedoch will nicht so recht in das gängige Schema passen. Es gibt den Forschern seit jeher Rätsel auf.

Von I, Peter80, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2416632
Aus Copyright gründen kann ich Euch hier nicht das ganze Bild zeigen. Hier ist ein Link dazu


Ich zitiere mal die Beschreibung zu diesem Bild aus Wikipedia :


Rätselhafte Darstellung am Brunnen

Am Abstieg zum Brunnen wurde die wohl rätselhafteste aller Darstellungen ausgeführt: ein Mann mit Vogelkopf. Er scheint nach hinten umzufallen, sein Penis ist erigiert. Er scheint offensichtlich von einem von rechts heranpreschenden Wisent umgeworfen worden zu sein, in dessen Unterleib ein Speer steckt und dessen Eingeweide bereits hervortreten. Neben dem Mann liegt ein länglicher Gegenstand, an seinem Ende ein Vogel – möglicherweise handelt es sich hier um eine Speerschleuder. Links entfernt sich ein (Woll-) Nashorn.

Es fallen ferner folgende Symbolzeichen in dieser Komposition auf: Zwischen Mann und Nashorn sind drei doppelpunktartige Zeichen angebracht, welche auch im Seitengang der Raubkatzen, dem entlegensten Teil der Höhle, zu sehen sind.

Unterhalb des Mannes und des Wisents lässt sich ein gestricheltes Symbol mit einseitiger Spitze und zwei Widerhaken am Ende erkennen. Dieses Symbol wurde auch an anderen Wänden angebracht; es befindet sich außerdem auf gefundenen Speeren und auf der in der Nähe des Brunnens entdeckten Öllampe.

Die Einzelelemente der Komposition des Bildes stehen eindeutig in Bezug zueinander – ganz im Gegensatz zur üblich gewählten Darstellungsweise.

Möglicherweise erzählt das Bild eine Geschichte. Doch welche?

Handelt es sich hier vielleicht um die „Kosmischen Jagd“

Vielleicht sogar um die Urform? Wurde sie in dieser Höhle zum ersten Mal erzählt? Mal sehen. Lasst mich erst einmal eine etwas aktellere Version dieser Geschichte erzählen. Vermutlich kennt sie der Eine oder Andere bereits.

Wie wir alle wissen war Zeus ein alter Schwerenöter, der hinter den Frauen herbaggerte wie der Teufel hinter den Fliegen. Eines Tages warf er sein Auge auf die Nymphe Kallisto. Diese gehörte aber zum Gefolge der Jagdgöttin Artemis und war daher zur Keuschheit verpflichtet.
Deshalb bediente sich Zeus einer List und machte sich in Gestalt ihrer Chefin an sie heran. Als Kallisto den Betrug bemerkte, war es schon zu spät. Sie wurde schwanger und als Folge davon von Artemis verstoßen.

Als ob das nicht schon genug Unrecht wäre, verwandelte sie Zeus eifersüchtige Gattin Hera nach der Geburt ihres Kindes in eine Bärin. Wie das Schicksal es wollte, begegnete sie eines Tages ihrem Sohn Arcas. Als Jäger wollte er die Bärin natürlich töten.
Da allerdings griff Zeus ein und versetzte beide als Sternbilder ans Firmament. Wir kennen sie als den Großen und Kleinen Bär.

Die Blackfoot Indianer erzählen sich eine ähnliche Geschichte:

Ein Mädchen nimmt einen Bären zum Ehemann. Ihre jüngere Schwester erzählt das dem Vater. Der tötet den Bären. Die ältere Schwester will sich rächen und verwandelt sich dazu in einen Bären. Zuerst tötet sie ihre Eltern.
Die jüngere Schwester und sieben Brüdern gelingt die Flucht. Die Bärin verfolgt ihre Geschwister. Schließlich tötet sie sechs ihrer Brüder. Der siebte Bruder hat magische Kräfte und schießt mit Pfeilen seine Brüder, jüngere Schwester und sich selbst in den Himmel. Dort sind sie noch heute als das Sternbild „Großer Wagen“ zu sehen.
Hier das Sternbild:


By Gh5046 at English Wikipedia - Transferred from en.wikipedia to Commons by gh5046., Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3783128


Hier findet ihr noch andere Versionen der „Kosmischen Jagd“. Unter anderem die der Chinesen, Mongolen und Algonquin.

Natürlich werden solche Geschichten nicht so trocken am Lagerfeuer erzählt. Ich habe hier lediglich Zusammenfassungen geschrieben.
In meiner Fantasie stelle ich mir vor, dass man die Geschichten damals wie heute entsprechend ausgeschmückt hat. Früher gab es sicher viele Geschichtenerzähler. Bestimmt waren sie damals hoch angesehen. Sie beherrschten die Kunst zusammen mit den flackernden Schatten an Höhlenwänden, auf dem Wüstensand oder an umliegenden Bäumen und Büschen die Protagonisten lebendig werden zu lassen. Als Mittel standen ihnen dazu ihre Stimme, Gestik und Rhetorik zur Verfügung. Natürlich auch die ganze Palette psychologischer Tricks zur Verfügung.

So weit so gut. Zurück zur alles entscheidenden Frage. Wie kann man aus solchen Mythen, die offenbar überall auf der Welt erzählt werden, deren Evolutionsgeschichte rekonstruieren und vielleicht sogar zu ihrem Ursprung zurückzuverfolgen?

Glücklicherweise gibt es bereits Methoden und Werkzeuge dafür. Sie wurden für die Evolutionsbiologie entwickelt, die ein ähnliches Problem zu lösen hatte. Auch dort mussten bekannte Genome in einen Stammbaum einsortiert und zeitlich geordnet werden. Mittlerweile haben sich die sogenannten „phylogenetischen Algorithmen“ etliche Jahre bewährt, wurden weiterentwickelt und sind verfeinert worden.

Diese Algorithmen sind durch Deduktion in der Lage zu berechnen, was die Urversion eines Gens war, und wie der sich mit der Zeit veränderte.

Natürlich bestehen Mythen nicht aus Genen. Um die zeitlichen und geografischen Verwandtschaftsverhältnisse der Sagen nachzuvollziehen, werden diese in Abfolgen der kürzest möglichen Sätze zerlegt. Diese Textschnipsel werden in diesem Zusammenhang - in Anlehnung an die Biologie - »Mytheme« genannt (Achtung: Dies entspricht nicht der gängigen Definition, in der Mytheme bereits Kernelemente von Mythen darstellen!)

Die Mytheme in diesem Zusammenhang sind Sätze wie zum Beispiel „Es gibt einen Helden“, oder „Der Held ist eine Frau / Mann / Jäger“, oder „Es gibt ein Tier“, oder „Es gibt einen Verfolger“, usw.
Wer wissen möchte wie das genau funktioniert, kann das hier nachlesen.

Hier der berechnete Mythenstammbaum für die »Kosmische Jagd«:

© Julien d’Huy, „A Cosmic Hunt in the Berber sky“
Quelle: Julien d'Huy

Okay, ich denke ich habe euch nun lange genug auf die Folter gespannt. 

Hier ist die Urform der „Kosmischen Jagd“:


„Ein Mensch jagt ein großes, Gras fressendes Huftier mit Hörnern. Vermutlich ein Elch. Ein Mensch verfolgt das Huftier. Diese Jagd findet im Himmel statt, oder sie führt die Beteiligten dorthin. Das Tier überlebt und verwandelt sich in das Sternbild des Großen Bären.“

Zu trocken? Stimmt. Das fanden unsere Steinzeitvorfahren auch. Wie man aus dem oben erwähnten Mythenstammbaum erkennt, kommt die Version, die sich die Evenken erzählen der Urform am nächsten. Die Evenken (früher nannte man sie Tungusen) leben hauptsächlich in Sibirien. Mit freundlicher Unterstützung von Julien d'Huy konnte ich diese Version auftreiben. Hier die Zusammenfassung:

Es geschah vor langer, langer Zeit, bevor die Erde sich vergrößerte, als sie noch sehr klein war. Damals gab es noch keine Nacht, denn die Sonne schien ununterbrochen den ganzen Tag. Eines Tages im Herbst zur Brunftzeit schnappte sich der männliche Elch die Sonne und rannte damit zu den Himmeln. Seine Begleiterin, der weibliche Elch verfolgte ihn. 

Nacht fiel auf die Erde. Damals lebte unter den Evenki ein starker Mann und berühmter Jäger namens Mani. Er war der einzige unter den Evenken, der nicht verwirrt wurde. Er nahm seinen Bogen, rief seine Jagdhunde und verfolgte die Elche. [...]
Um ihm zu entkommen bog die Elchin scharf nach Norden ab und floh Richtung des Lochs in den Himmeln. Mani war kurz hinter ihnen und erschoss den Elch. Aber der hatte die Sonne nicht bei sich.

Mani vermutete, dass er sie der Elchin gab. [...] Also schoss er mit seinem Heldenbogen auch auf sie. [...] als er die Sonne wieder hatte gab er sie seinem Volk zurück. Alle Teilnehmer der kosmischen Jagd wurden in Sterne verwandelt.

Seit dem wechseln sich Tag und Nacht ab und die kosmische Jagd wiederholt sich.

In der ältesten Version dieses Mythos befreit der kosmischen Bär Mangi die Sonne, die von dem Elch gestohlen wurde. Unter den Evenki ist der kosmische Bär Mangi identisch mit der Sternkonstellation Bootes und der kosmische Elch mit dem Großen Wagen.

Die Milchstraße ist die Skispur des kosmischen Jägers

(Quelle: Konakov, N.D. & Lydia Black 1994.  «Calendar Symbolism of Uralic Peoples of the Pre-Christian Era.» Actic Anthropology, 31(1): 47-61, p.51)

Vielleicht fühlt sich ja der Eine oder die Andere mit dieser Themenvorgabe zu einer Kurzgeschichte inspiriert?

Ja?

Schickt sie mir und ich werde sie hier auf meinem Blog veröffentlichen.
Versprochen!   :-)

Der Stammbaum dieser Geschichte – und anderer – deckt sich übrigens mit der Ausbreitung des Homo Sapiens:

  • Er unterstützt die Hypothese, dass Europa und Teile Nordafrikas nach der Eiszeit aus dem franko-kantabrischen Refugium (Nördliche iberische Halbinsel, südliches Frankreich) neu besiedelt wurde
  • Bestätigt eine gemeinsame mythologische Wurzel von Berbern und europäischen Jägern und Sammlern
  • Bestätigt mindestens vier Einwanderungswellen von Eurasien nach Nordamerika.
  • Unterstützt die Hypothese, dass es von Eurasien eine Rückeinwanderung nach Afrika gab
Weitere Links:


foxload.com

Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de

Blogverzeichnis

Blog Top Liste - by TopBlogs.de







RSS Verzeichnis


Virtual Space Composition

Virtual Space Composition
© Agsandrew | Dreamstime.com