Idee und Inhalt meines Buches

"Jede entsprechend weit fortgeschrittene Technologie ist von Magie nicht zu unterscheiden" (Zitat von Arthur C. Clarke)


Diese Idee hat mich nicht mehr losgelassen bis ich schließlich damit begonnen habe ein Buch darüber zu schreiben. Es geht um virtuelle Welten, die so perfekt simuliert sind, dass sie von der realen Welt nicht mehr zu unterscheiden sind. Da in der virtuellen Welt alles möglich ist, gibt es in meinem Buch sowohl Zukunftstechnologie, wie sie in Science Fiction Romanen zu finden ist, als auch typische Fantasy Elemente wie Magie, Fabelwesen und Fantasiewelten.

In meinem Blog werde ich nicht nur über den Fortschritt meines Buches berichten, sondern auch allgemein zu SciFi und Fantasy Themen.

Gerne lasse ich mich hierbei von euch inspirieren.

Wer mag, kann mich gerne direkt kontaktieren: roy.ofinnigan@t-online.de

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Das Netz des Dämons - Psychothriller



2013 habe ich mich mal an einem Psychothriller versucht. Bisher gab es die Kurzgeschichte nur bei Neobooks. Das ist schade, denn dort kann man sie nur lesen, wenn man auch Mitglied ist. Ich fürchte die meisten von Euch sind das nicht und wollen es auch nicht werden. Obwohl, da gibt es viele tolle Bücher und Kurzgeschichten zum Kleinen Preis oder gar kostenlos. Da warten richtige unentdeckte Schätze darauf von Euch gehoben zu werden.

Wie dem auch sei,  Ich wollte die Story schon immer auf meinen Blog posten und hätte das schon längst tun sollen. Leider ist das bis jetzt nicht passiert. Spät aber immerhin hole ich das hiermit nach.Hier ist eine kurze Zusammenfassung worum es in dieser Kurzgeschichte geht.
Ich wünche Euch viel Spaß beim Lesen.

Klappentext:

 

Für Schneller Speer gibt es nichts Schöneres als zu jagen. Er ist glücklich und zufrieden. Tagsüber. Jede Nacht kommt ein Dämon, um ihn zu quälen. Das Schlimme daran ist, dass der Dämon in zwingt andere Menschen zu quälen. Sie leiden noch mehr als er selbst. Sogar die Zauber des mächtigen Schamanen aus seinem Dorf scheinen gegen den Bösen Geist nichts ausrichten zu können.



Das Netz des Dämons


von


Roy O’Finnigan







Laufen! Einfach laufen! Ich genieße das Gefühl, barfuß über die Savanne zu traben. Heute ist ein guter Tag für die Jagd. Obwohl die Sonne hoch am Himmel steht, ist die Luft nicht heiß. Der Boden ist warm. Bei Morgengrauen war er noch kalt und feucht. Konzentriert folge ich der Spur, wie es mich mein Vater gelehrt hat. Auf frischem Gras ist es einfach, einer Spur zu folgen. Aber selbst auf felsigem Untergrund verliere ich die Fährte nicht. Wenn man weiß, welchem Tier man folgt und wie es sich bewegt, kann es nicht entkommen. Ich folge in Gedanken den Sprüngen des Tieres und sehe, wo seine Hufe den Boden berührt haben. Hier ist ein Steinchen umgedreht, dort sind ein winziger Kratzer von einem Huf und hin und wieder ein umgeknickter Stängel der paar Pflanzen zwischen den Steinritzen.
An der Länge der Sprünge kann ich erkennen, wie schnell die Antilope gelaufen ist. Sie ist auf der Flucht. Es ist ein junges Weibchen. Ich bin mir sicher. Ob sie spürt, dass ich sie jage? Natürlich spürt sie das. Der Wind kommt von hinten. Sie riecht mich. Ich könnte meine Taktik ändern und versuchen, mich von der Seite her zu nähern. Aber wozu? Die Antilope mag schneller sein, aber ich bin ausdauernder. Früher oder später wird sie erschöpft stehenbleiben. Dann ist sie leichte Beute für mich.
Ich laufe immer noch. Die Sonne steht knapp über dem Horizont. Vor mir die Felswand. Hier gibt es kein Entkommen. An der Spur erkenne ich, dass die Antilope nur noch langsam geht. Gleich werde ich sie eingeholt haben. Jetzt sehe ich sie. Erschöpft, mit hängendem Kopf, steht sie da. Ich laufe auf sie zu. Als sie mich sieht, macht sie ein paar Sprünge und bleibt stehen. Ohne anzuhalten schleudere ich meinen Speer. Ein perfekter Wurf.
Als ich bei ihr ankomme, ist sie bereits tot. Nicht weit entfernt finde ich den idealen Lagerplatz mit einer kleinen Wasserquelle. Die Sonne geht unter und kündigt die Nacht an. Mit ihr kommt die Angst. Schnell wird es dunkel. Bedrohlich kriechen die Schatten der Felsen auf mich zu. Sie strecken ihre Finger nach mir aus und versuchen mich zu greifen. Ich will nicht, dass sie mich erwischen. Deshalb tue ich, was der Schamane mich gelehrt hat. Ich führe die Rituale aus, um die bösen Geister zu vertreiben.
Der Schamane hat mir versprochen, dass mich das schützen wird. Nachdem ich gegessen habe, lege ich mich unter den Sternen auf den Boden. Ich habe Angst vorm Einschlafen. Ich versuche wach zu bleiben. Es fällt mir schwer, da ich den ganzen Tag gelaufen bin. Der Körper braucht den Schlaf. Ich nicht. Der Schlaf bringt nichts Gutes. Schon lange nicht mehr.
Ich höre die Melodie, mit der sich der böse Geist ankündigt. Beim ersten Mal verzauberte sie mich ob ihrer Schönheit. Jetzt hasse ich sie. Der Dämon kommt, um mich zu holen. Sein Gesicht und seine Hände sind fast weiß. Er sieht aus wie jemand, der noch nie die Sonne gesehen hat. Der Rest seines Körpers ist von einem seltsamen schwarzen Tuch verhüllt. Es saugt alles Licht auf. Eine Zeitlang widersetze ich mich seinem Willen. Ich habe verloren, bevor es mir bewusst wird. Während ich noch kämpfe, setzen sich meine Beine in Bewegung, ihm zu folgen.
Ich bin gefangen in einem Spinnennetz. Hinter mir steht der böse Geist und treibt mich an. Ich zeichne Bilder in die Luft, deren Sinn ich nicht verstehe. An meinen Armen kleben Fäden, die mit Menschen verbunden sind. Jede meiner Bewegungen überträgt sich und treibt sie an. Die Fäden sind magisch. Eine kleine Bewegung von mir löst eine hektische Reaktion bei ihnen aus. Die Menschen sitzen vor einem seltsamen Ding. Meine Fäden zwingen sie mit ihren Fingern monoton auf ein Brett zu tippen. Resigniert folgen sie. Je schneller ich mich bewege, desto schneller müssen sie tippen. Das Klappern schmerzt in meinem Kopf. Mit der Zeit nehmen die Schmerzen zu. Ich möchte aufhören, aber ich kann nicht. Ich will langsamer zeichnen, aber der Dämon treibt mich erbarmungslos an. Seine Peitschenhiebe fühlen sich an wie glühende Messer, die über meine Haut gezogen werden.
Alles um mich herum flimmert. Ich möchte schreien, aber ich kann nicht. Die Menschen hassen mich, so wie ich den bösen Geist hasse Der ist auch voller Hass. Quälend ziehen sich die Stunden hin. Als ich sicher bin, es nicht mehr auszuhalten, erlöst mich die aufgehende Sonne.
Den Göttern sei Dank! Die Nacht ist vorbei und ich lebe noch. Mit klopfendem Herzen liege ich schweißgebadet da und lasse mich von den frühen Sonnenstrahlen wärmen. Langsam trocknet der Schweiß. Bei allem Respekt vor dem Schamanen werde ich mit ihm reden müssen. Seine Zauber sind wirkungslos. Bestimmt wird er mir wieder vorhalten, ich hätte etwas falsch gemacht.
Als ich wieder aufwache ist es fast Mittag. Die Sonne steht hoch am Himmel. Aasfresser haben sich um mich versammelt. Ich springe auf, schreie, schwinge meinen Speer und laufe auf die Aasfresser zu. Feige, wie sie sind, machen sie sich davon. In der Nähe bleibt ein Geier auf einem vertrockneten Ast sitzen. Ich werfe einen Stein nach ihm, aber der geht mitten durch ihn hindurch.
„Schneller-Speer, folge deiner Bestimmung“, schnarrt er.
„Was ist meine Bestimmung“, frage ich den Geier. Ich muss blinzeln und weg ist er.
Ins Dorf zurückgekehrt, feiern wir die erfolgreiche Jagd. Starker-Arm hat ein Wildschwein erlegt und Kühn-wie-ein-Bär eine Antilope. Seine ist größer als meine, aber es ist ein alter Bock. Das Fleisch ist zäh. Nachdem wir gegessen, gesungen und getanzt haben, sitze ich alleine am Feuer. Ich wage es nicht, schlafen zu gehen. Der Schamane unseres Stammes setzt sich neben mich. Ich erzähle ihm von der Jagd. Er fragt mich nach meinem Alptraum. Auch das erzähle ich ihm. Er fragt nach Einzelheiten, aber alles ist verschwommen. Meine Erinnerung an Details lässt mich im Stich. Nur die Schmerzen, den Hass und die Angst kann ich ihm in allen Einzelheiten beschreiben. Er gibt mir etwas zu trinken, das bitter schmeckt.
Danach bin ich müde, gehe in meine Hütte und schlüpfe zu Mondwiese zwischen die Felle. Sie schläft bereits. Ich träume wieder den gleichen Traum. Nur ist es diesmal schlimmer. Ich hänge wieder im Netz. Der böse Geist treibt mich noch härter an. Ich zeichne noch schneller Bilder in die Luft. Ich stemme mich mit all meiner Kraft und meinem Willen dagegen. Es reicht nicht.
Ich versuche, mir Details zu merken, wie es der Schamane mir aufgetragen hat. Wir sind in einer Höhle mit glatten Wänden. So etwas habe ich noch nie gesehen. Es ist dämmrig. Der Dämon saugt das ganze Licht auf. Die Menschen sind ähnlich wie der böse Geist in Tücher gehüllt. Völlig ungeeignet für das Leben als Jäger. Keiner der Stämme, die ich kenne, trägt solche Kleidung. Auch ich trage nur einen Lendenschurz.
Alles flimmert. Schreckliche Bilder tanzen um mich herum. Ich sehe Menschen sterben. Keinen kümmert es. Ich sehe einen riesigen Vogel, der brennend vom Himmel fällt. Auch das beachtet niemand. Der böse Geist bringt mehr Menschen und bindet sie mit Fäden an mich. Sobald sie verbunden sind, müssen sie meinen Bewegungen folgen. Sie versuchen sich zu wehren, aber sie haben keine Chance. Sie resignieren. Ich frage den Dämon, was wir getan haben, dass er uns so quält. Ich ernte nur höhnisches Gelächter.
Ich schrecke hoch. Mondwiese versucht mich zu beruhigen. Ich bin durchgeschwitzt. Sie redet beruhigend auf mich ein. Als das nicht hilft, greift sie zu anderen Mitteln. Sie kennt mich und weiß, was mich erregt. Ich erliege ihren weiblichen Verführungskünsten und widme ihr meine volle Aufmerksamkeit. Danach kommen meine Ängste wieder und ich versuche wach zu bleiben. Aber ihr Duft und ihre Nähe beruhigen mich. Schließlich schlafe ich ein und bleibe von dem Traum verschont.
So geht es mehrere Tage. Tagsüber lebe ich das Leben eines Jägers, nachts erlebe ich Alpträume. Mondwiese leidet mit mir. Sie tut alles, um mich zu beruhigen, wenn ich schweißnass aufwache. Ich danke es ihr, indem ich mehr Zeit mit ihr verbringe. Wir haben genügend Fleisch. Wir erleben wunderbare Tage. Wir schwimmen im Fluss und lassen uns in der Sonne trocknen. Wir gehen zu unseren Lieblingsplätzen und beobachten die Tiere. Gemeinsam sammeln wir Beeren. Wir reden und lachen zusammen. Wir lieben uns. Tagsüber ist alles gut.
Der Schamane denkt sich ständig neue Zauber aus, um die bösen Geister zu vertreiben. Gegen den Dämon erscheint er machtlos. Trotzdem gibt er nicht auf.
Wieder bin ich auf der Jagd. Ich laufe über die Savanne. Alles eins. Die Natur, mein Körper, ich. Es ist perfekt. Obwohl die Sonne hoch am Himmel steht, ist die Luft nicht heiß. Der Boden ist warm. Im Morgengrauen war er noch kalt und feucht. Konzentriert folge ich der Spur, wie es mich mein Vater gelehrt hat. Gegen Abend erreiche ich die Antilope. Ich töte sie.
Dann geht die Sonne unter und die Schatten kriechen auf mich zu. Ich weiß, was es bedeutet. Ich habe Angst. Ich schreie. Niemand antwortet. Weglaufen hat keinen Zweck. Ich versuche, wach zu bleiben, aber ich weiß, dass ich irgendwann einschlafen werde. Ich halte das nicht mehr aus. Dann erscheint der Schamane. Er gibt mir etwas zu trinken. Ich schlafe ein.
Die Melodie kündigt den schwarzen Dämon an. Er zwingt mich, ihm zu folgen. Dann hänge ich wieder in dem Spinnennetz. Der Dämon schwingt die Peitsche. Er treibt mich an wie noch nie. Die Menschen, die an mir hängen, wehren sich nicht. Sie leiden schweigend. Eine Frau wirft mir einen verzweifelten Blick zu. Sie kann nicht mehr mithalten. Wortlos fleht sie mich an. Ich kenne sie. Für einen Moment erinnere ich mich an ihren Namen. Dann wird sie von den Fäden in Stücke gerissen. Niemand reagiert auf ihr Schicksal.
Ich fühle mich schuldig an ihrem Tod. Ich weiß, ich hätte ihn verhindern müssen. Ich will schreien. Ich will aufhören. Der Dämon zwingt mich weiterzumachen. Dann merke ich, wie der böse Geist alle meine Gefühle aufsaugt. Meine Trauer, mein Mitgefühl, meine Liebe, meinen Hass. Sogar meine Angst verschwindet in ihm wie das Licht, das er absorbiert. Zurück bleiben nur noch unendliche Leere und Schmerzen.
Als ich wieder aufwache, ist es fast Mittag. Die Sonne steht hoch am Himmel. Aasfresser haben sich um mich versammelt. Ich springe auf, schreie, schwinge meinen Speer und laufe auf die Aasfresser zu. Feige, wie sie sind, machen sie sich davon. In der Nähe bleibt ein Geier auf einem Busch sitzen. Ich werfe einen Stein nach ihm, aber der Stein geht mitten durch ihn hindurch.
„Schneller-Speer, folge deiner Bestimmung.“
„Was ist meine Bestimmung?“, frage ich den Geier. Ich muss blinzeln und weg ist er.
Zurück im Dorf feiern wir die reiche Beute. Starker-Arm und Kühn-wie-ein-Bär haben Wildschweine erlegt. Nach dem Essen singen und tanzen wir. Danach bereitet der Schamane die Pfeife vor. Er füllt sie mit den heiligen Blättern, deren Rauch uns erlaubt mit den Geistern zu sprechen. Er zündet sie an und gibt sie mir. Ich schließe die Augen und nehme den Ersten Zug. Als ich sie wieder öffne, sitze ich alleine am Feuer.
Ich wage es nicht, schlafen zu gehen. Aus den Schatten tritt der Schamane. Er setzt sich mir gegenüber. Das Feuer ist zwischen uns. Die Luft über dem Feuer flimmert und verzerrt sein Gesicht. Wortlos blickt er zurück in die Schatten woher er kam. Ich folge seinem Blick und sehe einen Geier. Der Schamane stimmt einen Gesang an und lockt ihn damit hervor. Im Schein des Feuers verwandelt er sich in einen Menschen. Er setzt sich neben den Schamanen.
Er fragt mich wie die Jagd war. Ich erzähle es ihm. Er fragt mich nach meinem Alptraum. Ich blicke in seine Augen und plötzlich kann ich mich an alles erinnern. Ich erzähle es ihm. Dann überwältigen mich die Schmerzen, der Hass und die Angst. Ich kann nicht weiterreden. Der Schamane steht auf und gibt mir etwas zu trinken, das bitter schmeckt.
Die bösen Gefühle verschwinden. Danach bin ich müde. Ich gehe in meine Hütte. Verwundert stelle ich fest, dass Mondwiese nicht da ist. Ich rufe nach ihr, aber niemand antwortet. Ich gehe nach draußen, um die Anderen zu fragen, wo sie ist. Alle Hütten sind verschlossen. Niemand ist zu sehen. Auch der Schamane und der Geist sind weg. Die Müdigkeit übermannt mich. Ich lege mich hin und schlafe ein.
Wieder holt mich der Dämon. Noch mehr Menschen werden von den Fäden zerrissen. Der Dämon zwingt mich weiterzumachen. Mein Hass auf ihn und meine Schmerzen wachsen mit jedem sterbenden Menschen. Ich benutze sie, um meinen Willen zu stärken. Es gelingt mir, dem bösen Geist zu widerstehen. Seine Macht über mich schwindet. Er brüllt mich an. Ich verstehe ihn nicht. Ich schreie zurück. Ich bäume mich auf und zerreiße das Netz. Ich stürze mich auf den Dämon.
Er fällt zu Boden. Ich schlage ihn. Er wehrt sich nicht. Ich bin überrascht, wie schwach er ist. Er blutet wie ein Mensch. Ich schlage noch einmal zu. Wieder und wieder. Dann kommen Menschen und zerren mich von ihm weg. Der böse Geist hat keine Macht mehr über mich. Ich glaube, ich habe ihn getötet. Die Schmerzen sind weg.
Wieder bin ich auf der Jagd. Die Sonne steht dicht über dem Horizont und gleich werde ich die Antilope eingeholt haben. Diesmal bin ich zu spät gekommen. Ein Löwe war vor mir da. Er glaubt, seine Beute verteidigen zu müssen, und rennt auf mich zu. Es ist ein junger, kräftiger Löwe. Ich habe keine Angst vor ihm. Er ist schnell. Ich auch. Ich verwunde ihn mit meinem Speer. Das lenkt ihn für einen Moment ab so, dass ich ihn packen kann. Er versucht, mich mit seinen Pranken zu erwischen, aber ich habe ihn fest von hinten umklammert, dass er sie nicht wirkungsvoll einsetzen kann. Wir wälzen uns auf dem Boden. Mit aller Kraft drücke ich seinen Hals zu. Langsam geht ihm die Luft aus. Es gelingt mir, mein Steinmesser zu ziehen. Ich stoße es ihm in den Hals. Ich sehe zu, wie das Blut aus seinem Hals läuft und er stirbt. Ich schreie meinen Triumph in die Nacht.
Der tote Löwe hebt den Kopf und spricht. „Schneller-Speer, suche deine wahre Bestimmung.“
„Was ist meine wahre Bestimmung?“, frage ich den Löwen. Ich muss blinzeln. Der tote Löwe antwortet nicht.
Es ist bereits Nacht. Ich mache ein Feuer, um die bösen Geister zu vertreiben. Der Sieg über das Raubtier gibt mir so viel Selbstvertrauen, dass ich meine Angst vergesse. Wenn ich einen Löwen besiegen kann, dann kann ich auch die bösen Träume besiegen. Das Fell des Löwen ist ein zusätzlicher Schutz. Ich ziehe es ihm ab und hülle mich darin ein.
„Trink das“, sagt der Schamane. Wir sind in einer seltsamen Höhle. Sie hat glatte weiße Wände. Ich sitze auf einem seltsamen Gebilde. Obwohl ich es noch nie gesehen habe, weiß ich, dass es Stuhl heißt. Der Schamane hat das Büffelfell gegen einen weißen Mantel getauscht. Er sitzt auch auf einem Stuhl. Zwischen uns ist eine weiße Platte, die wie polierter Stein aussieht. An der Wand hinter dem Schamanen sind dicke bemalte Holzklötze. Dann fällt mir ein, dass sie Bücher heißen.
Der Schamane fragt mich, wie es auf der Jagd war. Ich erzähle ihm von dem Löwen. Er fragt nach meinen Alpträumen. Stolz erzähle ich ihm, wie ich den bösen Geist getötet habe. Zu meiner Überraschung freut er sich nicht mit mir. Er sagt, dass der böse Geist nicht tot sei. Ich frage ihn, ob er wiederkehren werde. Der Schamane sagt, dass ein anderer kommen wird. Ich sage ihm, dass ich ihn auch besiegen werde. So wie ich den Löwen getötet habe. Er sagt, dass man die Geister nicht besiegen kann. Man muss Frieden mit ihnen schließen. Ich verstehe nicht wie das gehen soll. Der Schamane sagt er wird mir helfen.
Dann frage ich ihn, wo wir hier sind. Er sieht mich interessiert an. Ein Lächeln huscht über sein Gesicht. „Wir sind bei mir. Ich habe dich an diesen Ort gebracht, um dich von deinen Alpträumen zu befreien.“
„Was ist das für ein Ort?“ frage ich ihn. „So etwas habe ich noch nie gesehen.“
„Wirklich?“, fragt er.
Dann fällt es mir ein. Ich weiß, wo ich bin. „Wieso bin ich hier?“ frage ich. Dann verschwimmt alles. Das „hier“ hallt in meinem Kopf nach.
Ich wache alleine in meiner Hütte auf. Mondwiese ist nicht da, aber sie kann noch nicht lange weg sein. Ihr Geruch hängt noch in der Luft. Draußen begegne ich dem Schamanen. Jetzt trägt er wieder sein Büffelfell. Ich frage ihn nach Mondwiese. Er sieht mich besorgt an. Er möchte, dass wir in meine Hütte gehen. Dann sagt er mir, dass Mondwiese tot sei. Ich glaube es nicht. Er sagt etwas von einem Unfall, aber ich weiß nicht, was er meint. Frauen gehen nie auf die Jagd. Das ist Männersache. Er besteht darauf, dass sie tot sei. Ich sehe ihm an, dass er die Wahrheit spricht. Langsam dringt es zu mir durch. Der Schmerz fährt in mich wie ein Dolch. Ich vermisse sie.
Nie wieder werde ich ihre Stimme hören. Nie wieder werden wir zusammen aufwachen. Nie wieder werde ich sie in meinen Armen halten. Nie wieder werden wir zusammen schwimmen. Nie wieder werde ich ihr Lachen hören. Nie wieder werden wir uns lieben. Wir werden keine Kinder haben. Ich denke an alles, was wir zusammen tun wollten. An alles, was ich ihr noch sagen wollte. Ich schreie. Der Schamane möchte mir etwas zu trinken geben. Ich schlage ihm die Schale aus der Hand. Ich halte es in der Hütte nicht mehr aus.
Ich muss laufen. Ich weiß nicht, wie lange ich gelaufen bin und wohin. Laufen tut mir gut. Ich bin für das Laufen geboren worden. Ist Laufen meine Bestimmung? Plötzlich bin ich wieder in meiner Hütte. Der Schamane ist noch immer da. Oder wieder. Er gibt mir etwas zu trinken. Ich will wissen, wie Mondwiese gestorben ist. Er erzählt es mir, aber ich verstehe ihn nicht. Er spricht von Dingen, die ich nicht kenne.
Ich bin auf der Jagd mit meinen Freunden. Starker-Arm und Kühn-wie-ein-Bär sind neben mir. Wir haben uns in einem Gebüsch versteckt. Die anderen treiben das Wild auf uns zu. Vor uns erscheint eine Antilope. Sie läuft direkt auf unser Gebüsch zu. Ich töte sie mit meinem Speer. Es kommen noch mehr Tiere. Wir töten sie alle.
Im Dorf feiern wir die reiche Beute. Nachdem wir gegessen, gesungen und getanzt haben, bleibe ich alleine am Feuer sitzen. Nach einer Weile setzt sich eine Frau neben mich. Sie hilft mir, wach zu bleiben. Wir reden. Wir wärmen uns gegenseitig. Es will nicht Tag werden. Schließlich schläft Tautropfen in meinen Armen ein. Ich trage sie in meine Hütte und decke sie zu. Ich habe Angst, dass der böse Geist wieder kommt und sich an mir rächt. Ich versuche, wach zu bleiben, aber die Müdigkeit übermannt mich.
Der Schamane weckt mich kurz vor Sonnenuntergang. Zu meiner Überraschung ist der böse Geist nicht gekommen. Ich muss den ganzen Tag über geschlafen haben. Wir gehen nach draußen. Er wirft Holz auf die Feuerstelle und entfacht es. Als das Feuer kräftig genug ist, ruft er den Stamm zum Geistertanz. Er stimmt die Beschwörung an und alle folgen dem monotonen Singsang.
Ich soll mich ans Feuer setzen. Der Schamane führt den Tanz an. Ich beobachte die Tänzer. Nacheinander fallen sie in Trance und nehmen Kontakt mit den Geistern auf. Dann bereitet er die Pfeife vor und gibt sie mir. Abwechselnd atmen wir den heiligen Rauch ein.
Plötzlich sehe ich die Geister. Der Schamane blickt sie nur an. Ich wundere mich warum er sie in den Schatten stehen lässt. Wir warten.
Plötzlich höre ich die Melodie und der Dämon kommt. Der Schamane fordert die Geister auf sich ihm in den Weg zu stellen. Sie bilden einen Kreis um ihn herum. Der Dämon will zu mir aber die Geister lassen ihn nicht durch. Er versucht sie zur Seite zu drängen aber sie sind stärker. Er schlägt auf sie ein aber seine Hiebe prallen wirkungslos an ihnen ab. Er wird wütend und fletscht die Zähne. Knurrend stürzt er sich in eine Lücke. Es gelingt ihm nicht den Kreis zu durchbrechen.
Auf einmal hat er die Peitsche in der Hand. Er schlägt damit auf die Geister ein. Sie wehren den Hieb ab. Die Peitsche geht in Flammen auf und verbrennt die Hand des Dämons. Der Schreit vor Schmerz und wird noch wütender.
Er wirft sein Netz auf die Geister aber es löst sich auf noch bevor es sie berührt. Irgendwann gibt der Dämon auf und verschwindet. Ich gehe in mein Zelt. Ich schlüpfe zu Tautropfen zwischen die Felle und schlafe ein.
Der böse Geist kommt nicht. Stattdessen sitze ich wieder mit dem Schamanen in der weißen Höhle. „Herr Bergmann, wie geht es Ihnen heute?“
Bergmann? Wer ist Bergmann? Dann fällt es mir ein. Sven Bergmann. So heiße ich. Der Schamane ist kein Schamane. Er ist Psychologe. Er stellt sich als Professor Steinmann vor. Dann erzählt er mir, dass ich einen Nervenzusammenbruch gehabt hätte. Ich hätte zu viel gearbeitet. Der Stress sei zu groß für mich geworden. Irgendwann hätte ich den Bezug zur Realität verloren. Der Unfall meiner Frau hätte mir den Rest gegeben. Er sagt, dass ich mich in eine Traumwelt geflüchtet hätte. Nun sei ich wieder zurück in der Realität. Er sei stolz auf sich. Er sähe mich auf einem guten Weg. Er glaube, dass ich es schaffen und wieder ein normales Leben führen könne.
Ich kann mich nicht erinnern. Ich frage ihn, woran ich so intensiv gearbeitet habe, dass ich einen Nervenzusammenbruch hatte. Er sagt, ich sei Chefarchitekt für ein bedeutendes Programm gewesen. Für den Softwarekonzern sei das ein herber Rückschlag gewesen. Sie hätten versucht, mich so lange wie möglich weiterarbeiten zu lassen. Aber als ich den Projektleiter zusammengeschlagen hatte, sei es nicht mehr gegangen. Man habe mich in die Klinik gebracht.
Es sei ihr wichtigstes Projekt gewesen. Mein Ausfall habe sie zwei Jahre gekostet. Trotzdem wollten sie mich wieder haben. Meine Fähigkeiten seien unersetzlich. Ich könne zurückkommen, wenn ich wieder gesund sei.
Ich verstehe kaum, was er sagt. Ich bin kein Chefarchitekt. Was sind Programme? Was meint der Schamane mit Konzern? Ich mag das alles nicht! Ich bin Jäger. In meiner Hütte wartet eine Frau auf mich. Ich liebe das freie Leben in der Savanne. Ich liebe das Laufen. Das Leben als Jäger ist meine Bestimmung. Impressum

Texte: © Copyright by Roy O’Finnigan
roy.ofinnigan@t-online.de
Veröffentlicht am 22. Mai 2013

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Tag der Veröffentlichung: 22.05.2013

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