Idee und Inhalt meines Buches

"Jede entsprechend weit fortgeschrittene Technologie ist von Magie nicht zu unterscheiden" (Zitat von Arthur C. Clarke)


Diese Idee hat mich nicht mehr losgelassen bis ich schließlich damit begonnen habe ein Buch darüber zu schreiben. Es geht um virtuelle Welten, die so perfekt simuliert sind, dass sie von der realen Welt nicht mehr zu unterscheiden sind. Da in der virtuellen Welt alles möglich ist, gibt es in meinem Buch sowohl Zukunftstechnologie, wie sie in Science Fiction Romanen zu finden ist, als auch typische Fantasy Elemente wie Magie, Fabelwesen und Fantasiewelten.

In meinem Blog werde ich nicht nur über den Fortschritt meines Buches berichten, sondern auch allgemein zu SciFi und Fantasy Themen.

Gerne lasse ich mich hierbei von euch inspirieren.

Wer mag, kann mich gerne direkt kontaktieren: roy.ofinnigan@t-online.de

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Samstag, 26. März 2016

Parallel verreist


© Nexusplexus | Dreamstime.com -
Virtual Technologies Photo

Ostern ist ist für viele auch Reisezeit. Per Kurztrip fährt man an den Gardasee, besucht diverse Städte oder geht einfach in den Garten zum Eiersuchen.

Ich habe meine Protagonistin Selina auch auf eine Reise geschickt. Allerdings muss es bei mir schon etwas besonderes sein. Ihr kennt mich ja. Einfach so Berlin tuts da nicht. Es sei denn es ist ein Berlin von vielen. Ihr wisst schon. Ein Berlin in einer Parallelwelt. Ähnlich dem Original aber auch ein bisschen anders.

In meiner neuesten Kurzgeschichte geht es um Parallelwelten, einen vermeintlich absolut sicheren Tresor und eine jungen Wissenschaftlerin, die ihn aus Versehen knackt.

Genau genommen taucht sie plötzlich darin auf. Dummerweise gerade zu dem Zeitpunkt als eine Gruppe bunt zusammengewürfelter „Spezialisten“ versucht den Safe zu öffnen.

Kein Wunder, dass die professionellen Gelschranköffner wissen möchten, wie sie hineingekommen ist. Und nicht nur die. Auch Selina wüsste das sehr gerne. Leider kann sie sich an nichts mehr erinnern. In den Händen einer Bande Panzerknacker, die weder Skrupel noch Mangel an Methoden kennen, Menschen zum Reden zu bringen, ist das eine ganz schlechte Ausgangsposition.


Hier eine Leseprobe:


1.  Eine von unendlich vielen Welten

Wie versteinert stehen sie am Rand der Kiesgrube und starren nach unten. Eine Szene, wie in einem Spaghetti-Western.

»Drei Minuten«, verkündet Sitting Bull.

Wer genau hinschaut, bemerkt das nervöse Zucken an Doc Holidays rechtem Auge. »Der letzte Versuch.«

»Irrtum«, korrigiert Wyatt Earp mit rauer Stimme. »Uns stehen so viele Versuche zu, wie wir in den nächsten vier Stunden durchführen können.« Seine Körperhaltung strahlt unerschütterliche Zuversicht aus.

Billy the Kid schüttelt den Kopf. »Das ist doch Haarspalterei. Was für eine Rolle spielt das denn jetzt noch? Wir haben uns eine Woche lang zum Narren halten lassen. Habt ihr das denn nicht gemerkt? Dieser Typ da hat uns die ganze Zeit nur verarscht. Der Trip hierher war reine Zeit- und Geldverschwendung.«

Das Kinn des langhaarigen Revolverhelden zuckt in Richtung des Mannes im Hintergrund. Dieser scheint die Bemerkung nicht gehört zu haben. Er steht breitbeinig in seinem maßgeschneiderten Armani-Anzug da und sieht aus wie der Schwiegersohn, den sich jede Mutter erträumt. Ein Verkaufsmagier. Der Typ, der Inuits Kühltruhen andreht. Seine Kunden haben noch Monate danach das Gefühl, den Deal ihres Lebens gemacht zu haben. Selbst, wenn sie ein Vermögen für etwas ausgaben, das sie nie im Leben brauchen werden.

»Das verstehst Du nicht, Bubi. Für das Diamantencollier im Safe würde ich alles tun.«

Die ältere Dame mit der rauchigen Stimme sieht nicht so aus, als gäbe es noch Platz für ein weiteres Schmuckstück an ihrem Körper. Ganz im Gegensatz zu der jungen Frau in dem schlichten Kleid neben ihr.

»Diamanten im Wert von einer Million Euro«, hört man sie murmeln. »Für den, der es schafft, den Safe zu knacken.«

Sie behauptet Wahrsagerin zu sein und versucht noch immer den richtigen Code vorherzusagen. Ständig flüstert sie Zahlen und die absurdesten Wortkombinationen vor sich hin.

»Bei Manitou«, verschafft sich Sitting Bull Gehör. »Von Eurem Geschwätz werden ja die Geister wirr. Vom Reden jedenfalls wird der Tresor nicht aufgehen. Seid endlich still und genießt die Show.«

Im Hintergrund wird weiter genörgelt. »Man hört und sieht ja gar nichts.«

Jemand anders prustet los. »Das Missile fliegt mit fünfzehnfacher Schallgeschwindigkeit. Das wirst du erst hören, wenn der Panzerschrank pulverisiert und der Staub sich gelegt hat.«

»Ruhe jetzt«, donnert der Häuptling. »Der Countdown läuft. Zehn ... neun ...«

Den Rest überlässt er der digitalen Anzeige am Wandmonitor. Endlich kommt die Stille zu ihrem Recht. Mit Macht ergreift sie Besitz von dem Raum.
Noch bevor der Zähler auf Null springt, blitzt es am Boden der Kiesgrube. Greller als die Sonne.
Dann folgt der Knall. Ein Schlag, spürbar bis ins Mark. Dementsprechend ist die Wirkung der Explosion. Sie lässt die Menschen im Bunker taumeln. Einige verlieren den Halt und stürzen. Zwei Stehtische fallen um. Geschirr prallt auf den Boden und geht zu Bruch.

Grollend erhebt sich eine Staub- und Gesteinswolke vom Kraterrand. Große Brocken rasen auf die Beobachter zu und prallen nur wenige Zentimeter vor ihnen dumpf auf eine unsichtbare Wand. Dort zerstieben sie in kleinere und kleinste Steinchen, die zu Boden fallen.

In weiser Voraussicht befinden sich die Tresorknacker in einem Bunker mit meterdicken Mauern. Außenkameras und Mikrofone nehmen Bild und Ton auf. Die Projektion dieser Bilder auf die Wände lässt den Eindruck entstehen, als wäre man mittendrin. In Wirklichkeit sind die Zuschauer mehr als zwei Kilometer entfernt.

Jeder normale Mensch wäre von der absolut realistischen Projektion entweder vor Schreck geflüchtet oder in Ohnmacht gefallen. Doch die Gruppe ist das mittlerweile gewöhnt. Seit einer Woche durchleben sie ein ähnliches Szenario mehrmals am Tag.

Als sich der Staub legt, zoomen die Kameras auf den Würfel im Zentrum. Zunächst hatte sie diese virtuelle Fahrt durch die Luft regelrecht von den Beinen gerissen. Aber auch das ist ihnen nun vertraut. Kaum einer zuckt noch.

Als das Objekt der Begierde raumfüllend vor ihnen steht, setzt ein aufgeregtes Murmeln ein. Rufe werden laut. Die Wucht des Aufpralls rammte den Tresor bis zur Hälfte in den Boden.

»Wow, das Missile ist durchgebrochen.«

»Nein!« Die tiefe Stimme gehört Ben Cartwright.

»Doch! Schau, die Decke ist geschmolzen.«

»Geschmolzen ja aber noch hält sie.«

»Noch ein Schuss und wir sind drin«, grinst der Häuptling zufrieden. »Wie gut, dass ich mehrere dieser Bunkerbrecher-Raketen habe.«

»Aber ... Was passiert jetzt?« Panik liegt in der Stimme. Calamity Jane deutet aufgeregt auf den Tresor.

»Neiiin!«, ertönt ein vielstimmiger Ruf.

Schweigend muss die Gruppe zusehen, wie sich die Wand von selbst heilt. Sie können nichts dagegen tun. Nach ein paar Sekunden ist lediglich eine kleine Delle zu sehen, die man nur von der Seite erkennt.

»Wieder nichts«, bringt es Wyatt Earp auf den Punkt. »Dabei waren wir diesmal so nah dran.«
Aus sicherer Entfernung rücken autonome Bagger an, um den Panzerschrank wieder freizuschaufeln. Der Traum aller Schwiegermütter scheint gewachsen. Stolz reckt er das Kinn hervor. Seine Siegesgewissheit lässt das Blau des Safes noch kälter erscheinen. Dessen abweisende Verschlossenheit ist fast körperlich spürbar.

Jemand versucht sich bemerkbar zu machen. Die Piepsstimme findet selbst in die resignierte Stille hinein kaum Gehör. Er stottert mit Worten herum, die sich wie »Branen«, »Tachyonen« und »Wurmloch« anhören. Für keinen der Anwesenden ergibt das einen Sinn. Schließlich verliert Wyatt die Geduld. Barsch unterbricht er den älteren Herren, der sich Einstein nennt.

»Ist dein Quantenbohrer endlich einsatzbereit?«

Erschrocken wird die schmächtige Person um einen Kopf kleiner.

»So ... so gut wie fertig«, stottert er. Ich brauche nur noch ein paar Stunden. Das Kraftfeld für den Tachyonen Reformator zur Polarisation kosmischer Strings ist zu schwach. Aber ich ...
»Wir haben keine vierundzwanzig Stunden«, fährt Doc Holiday dazwischen.

»Richtig«, mischt sich der Tresorverkäufer mit gepflegtem Schweizer Akzent ein. »Die Regeln sind eindeutig. Wer es schafft innerhalb einer Woche in den Tresor zu kommen bekommt als Belohnung ein Diamantencollier im Wert von einer Million Schweizer Franken. Einhundertachtundsechzig Stunden. Keine Sekunde länger.«

Wyatt Earp taxiert den Eidgenossen wie ein Adler seine Beute. Er fragt sich, wieso er gerade jetzt die Deadline so betont. Hat er etwa Angst, dass Einsteins Quantenbohrer das Potential hat, den Safe zu knacken? Sein Kopf ruckt zu dem schüchternen Wissenschaftler herum.

»Wie viele Stunden?«

Der Superstringrelativitätsquantentheoretiker windet sich aber der Greifvogelblick tötet alle Ausflüchte.

»Sechsundzwanzig Stunden«, gibt er kleinlaut zu.

Ein enttäuschtes Raunen geht durch den die Reihen. Der Verkäufer atmet erleichtert auf.
»Will sonst noch jemand einen Versuch starten? Sie haben noch zwei Stunden und sechsundzwanzig Minuten.«

Das Gemurmel der Wahrsagerin wird lauter. In schneller Folge wirft sie Zahlenkombinationen in den Raum. Keiner nimmt das mehr ernst. Sonst meldet sich niemand. Unten in der Kiesgrube wird der Tresor mit hochempfindlichen Sensoren einer Zustandsanalyse unterzogen.

»Gut. Bitte genießen Sie die Erfrischungen und Kanapees, während wir warten.«

Mit einem Schnippen winkt der Gastgeber einen Roboter herbei und lässt sich ein Glas Champagner reichen. In dem Moment, als er zum Trinken ansetzt, geht der Alarm los. Alles erstarrt. Vor Schreck rutscht dem Schweizer das Glas aus der Hand. Mitten in die Stille klirrt es auf den Boden und verspritzt den edlen Champagner. Ein Signal zeigt an, dass sich jemand im Tresor befindet.

»Das kann nicht sein«, stöhnt der Tresorverkäufer.

»Doch! Es gibt keinen Zweifel. Puls und Atmung sind die eines Menschen«, diagnostiziert Doc Holiday. »Aber nicht mehr lange. Es sind immer noch zweiundneunzig Grad da drin.«

»Aufmachen. Sofort!«, fordert Sitting Bull. »Ich will wissen, wer es hineingeschafft hat.

»Wollen Sie wirklich auf weitere Versuche verzichten? Wenn ich den Tresor öffne, sind diese verwirkt«, warnt der Verkäufer.»

Es ist doch schon vorbei. Jemand hat es geschafft in den Safe zu gelangen, bevor die Zeit um ist. Ob es Ihnen passt oder nicht, wir haben gewonnen. Außerdem geht es um ein Menschenleben« Earps Ermahnung bringt den Veranstalter der Show zur Besinnung. Wohl wissend, dass es weniger um den Menschen geht. Sie alle wollen wissen, wie er hineingekommen ist.




Kurze Zeit später öffnet sich die schwere Panzertüre. Ein Scheinwerfer springt an, um das Innere zu beleuchten. Auf dem Boden liegt wie vorhergesagt ein Mensch. Ein Wartungsroboter geht hinein. Als er mit der Person auf dem Arm herauskommt, treffen die SUVs der Tresorknacker ein. Kollektives Knirschen dominiert das akustische Spektrum, als sie mit rutschenden Reifen auf dem Kies zum Stillstand kommen. Eine Bö verbläst den aufgewirbelten Staub.

Die junge Frau regt sich. Sie schnappt nach Luft, als wäre sie am Ersticken. Nach ein paar Atemzügen öffnet sie die Augen und schaut verwirrt um sich. Als sie merkt, dass sie in den Armen einer Maschine liegt, befreit sie sich hastig und eilt ein paar Schritte davon. Ihre zerrissenen Jeans und Turnschuhe brandmarken sie als krasse Außenseiterin der feinen Gesellschaft. Ihre bunten Haarsträhnen verstärken das noch.

Wortlos stehen sie sich gegenüber. Auf der einen Seite die illustre Gruppe der Geldschranköffner und auf der anderen die Fremde, durchgeschwitzt und schwer atmend. Misstrauisch beäugt man sich.

»Wer sind Sie und wie sind Sie in meinen Tresor gekommen?«, will der Schweizer wissen.«

Die Frau setzt zu einer Antwort an und stockt. »Wer sind Sie und wo bin ich hier?«, kontert sie schließlich.
...







                                                                                      ***

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Viel Vergnügen beim Lesen und Frohe Ostern!

© Roy O'Finnigan




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Montag, 28. Dezember 2015

Ökotherapie - Kurzgeschichte von Roy O'Finnigan - Teil 2/2



© Agsandrew | Dreamstime.com


Und hier folgt der mit Spannung erwartete 2. Teil:
(Hier der Link für Alle, die den 2. Teil noch nicht kennen)



»Keine Sorge. Du bekommst ein professionelles Team. Die bringen dich sicher rein und wieder raus. Ein Kinderspiel für sie.«
Oh verdammt, denke ich. Worauf habe ich mich da nur eingelassen? »Es muss doch noch eine andere Lösung geben. Hast du denn keine Angst um mich?«, mach ich einen letzten Versuch, meine Frau umzustimmen.
»Nein wieso?«, fragt sie. »Ich liebe dich. Glaubst du, ich würde dich unnötigen Risiken aussetzen?«
Ich bin versucht, ja zu sagen, aber ich weiß, wie diese Diskussionen enden. Deshalb sage ich nichts.
Die nächsten Stunden vergehen schnell mit Vorbereitungen für den Einsatz. Ehe ich zum Nachdenken komme, sitze ich in einem flüsterleisen Hubschrauber und gleite lautlos über die Stadt. Die Operation wird von einem muskelbepackten Außenagenten, Typ Navy-Seal geleitet. Ihm unterstehen ein Kampfroboter, dessen Statur der des Agenten in nichts nachsteht, und einem zierlich gebauten Androiden undefinierbaren Geschlechts.
Es ist weit nach Mitternacht als wir endlich über dem Dach des Versicherungsgebäudes schweben. Direkt unter uns ist ein Lüftungsschacht. Ein anderes Team hat gerade das Schutzgitter abmontiert und zieht sich zurück. 
Der Kampfroboter geht zu der offenen Tür des Helikopters. Plötzlich wird er unsichtbar. Den verdeckten Hintergrund auf die Kleidung zu projizieren gilt als das Neueste vom Neuem. Seit der Sache mit dem Metamaterial heute Nachmittag bin ich mir nicht mehr sicher, ob das noch stimmt. Trotzdem, für unsere Zwecke wird es reichen, hoffe ich. Der Roboter wartet noch einen Moment und springt hinunter. Ich sehe es an den Schlieren, die seine Bewegungen verraten.
Dann bin ich dran. Der Androide nimmt mich am Arm und zieht mich zum Ausgang. Er aktiviert meine Tarnung. Ich bin jetzt vollständig auf die Anzeige meiner AR-Brille angewiesen. Ich schaue hinunter. Mir stockt der Atem. Da unten drehen sich die Propeller des Lüfters so schnell, dass ich keine Lücke erkennen kann. »Nicht hinuntersehen«, rät er mir. Am besten schließen Sie die Augen und entspannen sich.«
Als er mich umklammert werden meine Knie weich. Er hält mich so fest, dass ich nur nach oben schauen kann. Ist vielleicht auch besser so, denke ich. Dann springt er.
Gleich werden wir von dem Propeller zerfetzt. Es kann gar nicht anders sein. Alles in mir verkrampft sich. Ich halte den Atem an. Wir fallen endlos. Plötzlich spüre ich einen heftigen Luftstoß und schon sind wir durch. Wir fallen weiter. Nun schnell nach unten kommen, um den Kameras so wenig Bilder wie möglich zu liefern.
Mit einem Ruck öffnet sich unser Fallschirm. Die Landung folgt fast unmittelbar danach. Geräuschlos federt mein mechanischer Partner unseren Aufprall ab. Der Roboter bewahrt mich davor mir die Beine zu brechen.
Noch bevor ich irgendetwas tun kann zieht mich der Androide in den seitlich abzweigenden Lüftungsschacht um Platz für unseren Anführer zu machen. Ich bin erleichtert als ich das Ploppen seines Fallschirms höre und er sicher landet.
Ohne auf ihn zu warten zieht mich mein Maschinen-Partner weiter. Ich krieche so schnell wie möglich hinter ihm her. Vor uns täuscht der Kampfroboter alle Sensoren so, dass wir unbemerkt in den Serverraum gelangen.
»Du hast vier Minuten«, erinnert mich der Navy-Seal unnötigerweise, als er sich von der Lüftungsöffnung in den Raum herunterlässt. Ich logge mich bereits in die interne Versicherungs-Cloud ein.
Mein Passwortknacker, den ich an einen freien Port anschließe, findet innerhalb von Sekunden das Passwort eines führenden Mitarbeiters heraus. Das ist natürlich kein Zufall. Unsere Quantencomputer hatten stundenlang anhand sozialer Profile die wahrscheinlichsten Passwörter errechnet und in dem kleinen Gerät abgespeichert. Es reicht, wenn eines davon passt.
Nachdem ich Zugang zu den Daten habe mache ich mich auf die Suche nach relevanten Informationen. Auch das ist vorbereitet. Elomines Algorithmen suchen gezielt nach Material, das zu unserem Fall passt. Die meiste Zeit beobachte ich nur. Hin und wieder greife ich ein und fordere zusätzliche Daten an.
Rasend schnell werden Bilder, Dokumente und Videos in meiner Augmented Reality abgespielt. So schnell, dass selbst ich Zweifel habe ob ich das alles behalten kann. Je mehr Fakten ich anschaue, umso fassungsloser bin ich. Ich hatte bereits eine Ahnung, was die Versicherung treibt, aber das Ausmaß des Skandals schockiert mich.
Ich bemerke nicht, wie der Einsatzleiter nervös auf und abgeht. Immer wieder schaut er auf die Uhr. Die Roboter haben sich am Ausgang positioniert. Er tippt mir auf die Schulter. »Die vier Minuten sind um.«
Der Download steht bei 98%. »Noch fünf Sekunden«, dann habe ich a ...«
Ich bekomme keine fünf Sekunden. Der Sicherheitsdienst gönnt sie mir nicht. Ich habe keine Ahnung, wie sie uns entdeckt haben, aber sie stürmen gleichzeitig über den Lüfungsschacht und die Tür in den Serverraum.
Der Außenagent bellt einen Befehl und macht sich mit dem Androiden aus dem Staub. Diese Roboter sind optimiert für Schnelligkeit. Ich bin enttäuscht, dass der Außenagent sich der übermenschlichen Fähigkeiten der Maschine bedient, um sich in Sicherheit zu bringen.
Wenigstens der Kampfroboter gibt sein Bestes. Er benutzt seinen massiven Körper, um mir Deckung zu geben. Querschläger spritzen durch den Raum und zerstören wertvolle Systemressourcen.
Die Maschine ist jedem seiner Gegner haushoch überlegen. Gegen die Überzahl hat sie auf Dauer jedoch keine Chance. Systematisch setzen sie ihn mit gezielten Schüssen außer Gefecht.  Schließlich werde ich mit einem klebrigen Fangnetz gefangen genommen. Obwohl ich wehrlos am Boden liege, betäuben sich mich mit einem Taser.
Das Erste, was ich spüre, sind Schmerzen am ganzen Körper. Das muss von den Muskelkrämpfen kommen, die der Elektroschock auslöste. Ich sitze auf einem einfachen Bürostuhl. Mir gegenüber thront der Vorstand der Versicherung hinter seinem Schreibtisch. Er ist perfekt gestylt. Er hat bestimmt einen englischen Schneider. Links und rechts von mir stehen zwei deutlich schlechter gekleidete Kampfroboter. Ihre Waffen sind auf mich gerichtet.
»Was haben Sie in unserer Datenbank zu suchen?« kommt der Chef des Konzerns ohne Umschweife zum Punkt. Offenbar bezieht sich die feine englische Art lediglich auf seinen Zwirn. Seine Umgangsformen scheinen nicht von der Insel zu sein.
Ich verzichte auf eine witzige Antwort. Aus Angst fällt mir sowieso kein passender Spruch ein. Ich entscheide mich dafür, ihn mit der Wahrheit zu konfrontieren.
»Ihre Versicherung spart sich teure Behandlungskosten, indem sie eine kostengünstige Heilung vortäuscht und die Menschen virtuell weiterleben lässt bis sie sterben. Ganz oben auf ihrer Liste stehen teure Volkskrankheiten wie Depressionen, Kreislauferkrankungen und Krebs. Ein vorzeitiges Ableben der Patienten wegen Nichtbehandlung nehmen Sie billigend in Kauf.
Ich hätte nicht gedacht, dass meine Zusammenfassung so eine Reaktion bewirkt. Der Konzernlenker staunt, als besuche ihn der Nikolaus. Er gönnt mir das Schauspiel nur für einen kurzen Moment, dann hat er sich wieder im Griff.
»Sie irren sich. Wir tun nichts dergleichen. Im Gegenteil. Dank unseres großzügig bemessenen Leistungskatalogs bekommen unsere Klienten eine erstklassige Behandlung.
»Leugnen ist zwecklos«, kontere ich das Versicherungswerbeblabla. Ich habe die Beweise aus ihrer Datenbank bereits an meine Redaktion übermittelt.«
Der Versicherungschef grinst diabolisch. »Sie bluffen. Wir wissen, für welche Organisation Sie arbeiten, und dass keine Daten nach draußen gelangt sind. Die Daten von ihrem Cloudscanner haben wir gelöscht. Übrigens ein nettes Spielzeug. Aber bei 3000 Grad Celsius ist es doch etwas weich geworden. So wie ihr Tarnanzug und die anderen Ausrüstungsgegenstände.«
Deshalb sitze ich also ich in einem Trainingsanzug hier: gute Qualität, aber durch das Logo der Versicherung verschandelt. Damit er nicht auf dumme Gedanken kommt, mache ich ein betroffenes Gesicht. »Früher oder später wird die Sache auffliegen.«
»Da können Sie lange darauf warten«, gibt sich der Versicherungsboss gelassen. Wir sorgen dafür, dass das nicht passiert. In zwölf Stunden haben wir unsere Datenbank bereinigt und alle Spuren beseitigt. Dann können Sie ihre Verschwörungstheorien propagieren, soviel Sie möchten. Kein vernünftiger Mensch wird Ihnen glauben.«
Ich zögere mit einer Antwort. Wer sich ein dermaßen stylisch-futuristisches Vorstandbüro leisten kann, muss Geld wie Heu haben, denke ich. »Haben Sie das wirklich nötig? Ihre Versicherung verdient auch ohne diesen Betrug an den Menschen genug.«
»Da irren Sie sich. Die Kosten steigen und steigen. Ständig werden neue Behandlungsmethoden erfunden. Eine teurer als die andere. Sobald es etwas Neues gibt, wollen es die Menschen haben. Wissen Sie was? Ich verstehe die Leute sogar. Ich will auch immer das Beste vom Besten. Aber 35.000 Euro pro Monat für Medikamente, die Lungenkrebsmetastasen verhindern, kann nicht jeder bekommen«
Ich wundere mich über die Offenheit des Vorstandsvorsitzenden. Vielleicht kann ich noch etwas aus ihm herauskitzeln. »Das mit den steigenden Kosten ist doch ein alter Hut. Ich muss allerdings zugeben, dass die Idee die Patienten in Versorgungstanks einzulagern und virtuell weiterleben zu lassen originell ist. Stammt sie von Ihnen?«
»Originell?«, donnert mich der Top Manager an. »Sie ist genial. Muss sie auch. Ist ja schließlich von mir.«
Er bewegt sich in die richtige Richtung. Gleich habe ich ihn, schießt es mir durch den Kopf. »Dann können Sie mir ja sicher erklären, wie Sie das hinkriegen, dass die Angehörigen glauben, sie lebten mit den Todgeweihten immer noch zusammen.«
Er zögert. Ich halte den Atem an. Wird seine Eitelkeit siegen? »Warum nicht?«, setzt er an und beugt sich vor. »Sie werden sich nachher eh nicht mehr erinnern. »Wir täuschen die Behandlung vor, versetzen den Patienten in ein leichtes Koma und schließen ihn an ein lebenserhaltendes System an. Wir lesen seine Gedanken und stimulieren das Gehirn. Was er für real hält, sind in Wahrheit nur Träume.«
Seine Bemerkung über mein Erinnerungsvermögen macht mir Sorgen. Ich muss Zeit gewinnen. »Und die übertragen Sie auf die Lebenspartner?«
Er schüttelt den Kopf. »So weit ist die Technologie noch nicht. Wir werten typische Verhaltungsmuster aus. Die mappen wir auf einen Avatar. Eine Software animiert den, und lässt ihn ein »normales« Leben leben.
Ich verstehe, was er meint. Das ist wie in einem Computerspiel mit selbständig agierenden Spielfiguren. Da fällt mir ein, dass die Versicherungs-Holding vor ein paar Jahren den Spielehersteller ’World of Cyberdreams’ gekauft hat. Vermutlich mussten sie das Programm nicht mal groß anpassen.
Ich gebe mich skeptisch. »Aber wir reden hier nicht von einem Computerspiel, sondern vom wahren Leben. Wie überzeugen Sie die Leute davon, dass das auch real ist?«
Die Augen des Vorstands beginnen zu leuchten. »Das ist der Knackpunkt, nicht wahr? Sie können sich nicht vorstellen, wie das gehen soll. Die Lösung dieses Problems war ganz allein meine Idee.«
Er macht eine künstliche Pause, um mich beeindruckt zu sehen. Ich tue ihm den Gefallen. Offenbar ist er zufrieden und fährt fort.
Wir spielen die Szenen in die Augmented Reality der Lebenspartner ein.«
»Ah, jetzt wird mir klar wofür sie den Transkranealen Stimulator brauchen. Er sorgt dafür, dass die Leute immer in der Augmented Reality bleiben und die Kontaktlinsen Tag und Nacht tragen.«
»Nicht nur das«, ergänzt das selbsternannte Genie. »Er erzeugt durch Stimulation der entsprechende Areale im Gehirn echte Gefühle. Erst dadurch wird es für die Lebenspartner real.«
»Das funktioniert?«, gebe ich mich unwissend.
»Und wie! Wussten Sie, dass man damit sogar Zustände wie im Drogenrausch hervorrufen kann? Die Leute werden high, ohne Drogen zu nehmen.«
»Das ist echt praktisch. Haben Sie schon daran gedacht, das zu vermarkten?«
Er macht ein Gesicht, als hätte er mich beim Blick in sein nicht jugendfreies Schlafzimmer ertappt. Das ist nicht gut. Meine Mission hängt davon ab, ihn am Sprechen zu halten. Am besten versuche ich es mit einer Provokation. Das wirkt bei narzistischen Top Executives immer. »Ganz so perfekt ist Ihr System aber noch nicht. Da sind Ihnen ein paar Fehler unterlaufen.«
Die Herausforderung zeigt Wirkung. Er springt auf und stürmt auf mich zu. »Keine Fehler. Alles funktioniert perfekt.«
»Nein!«, beharre ich. Manche Leute sind einfach so verschwunden. Praktisch vor den Augen ihrer Lebenspartner oder Freunde. Sie können mir nicht erzählen, dass das so gewollt ist.«
Er zögert einen Moment. Anscheinend ist es ihm peinlich. »Ach das. Dafür müssen wir ihnen sogar dankbar sein. Die virtuellen Personen sollen unauffällig verschwinden, wenn das physische Original stirbt. Manchen Situationen ist der Algorithmus nicht gewachsen gewesen. Aber wir sind der Ursache auf den Grund gekommen. Meine Programmierer verbessern den Algorithmus bereits. Sobald dieses Problem gelöst ist, können wir die Einsatzgebiete praktisch beliebig hochskalieren.
»Freut mich, dass ich helfen konnte. Mein Honorar in solchen Fälle beträgt 10% vom Umsatz.«
Der Boss funkelt mich an, als hätte ich den Kaviar vom Buffett weggeschnappt, bevor er zugreifen konnte. »Sie werden enttäuscht sein«, zischt er leise. »Nachdem wir Ihr Gedächtnis gelöscht haben, werden wir Sie der Polizei übergeben. Einbruch in Verbindung mit Datendiebstahl ist ein Kapitalverbrechen. Selbst wenn ...«
Was immer er sagen wollte geht in der nachfolgenden Explosion unter. Mit einem lauten Knall fliegt die gepanzerte Tür aus den Angeln und tobt ihre kinetische Energie an einem der Kampfroboter aus. Das veranlasst ihn seine Pistole abzufeuern.
Die Kugel bohrt sich in mein Bein. Ich spüre den Aufschlag aber seltsamerweise keine Schmerzen. Gleichzeitig schleudert mich die Druckwelle von meinem Stuhl. Ich fliege in hohem Bogen über den Konzernlenkerschreibtisch. Alles unter mir spielt sich wie in Zeitlupe ab.
Aus den Rauchschwaden taucht unser Androide auf. Ich bin froh, ihn zu sehen, obwohl ich sein explosives Auftreten etwas übertrieben finde. In jeder Hand hat er eine Maschinenpistole. Gleichzeitig feuert er auf den anderen Kampfroboter und auf die Kameras im Raum. Im direkten Vergleich mit der Kampfmaschine zeigt sich seine überlegene Schnelligkeit. Er hat sein Magazin geleert bevor der schwerbewaffnete Roboter seine Waffen in Position bringen kann.
Hinter dem Androiden taucht der Außenagent auf. Er sieht etwas mitgenommen aus. Als ich auf dem Versicherungslogo aufpralle, ist der magische Moment vorbei. Das massive Firmensymbol denkt nicht daran, meinen Aufschlag zu dämpfen. Ich kann ihm seine Loyalität nicht verübeln. Immerhin begleitet es mich auf dem Weg nach unten.
Ich weiß nicht wie lange ich bewusstlos war. Als ich wieder zu mir komme blicke ich in das Gesicht unseres Androiden. Bunte Lichter tanzen um sein Gesicht. Er eilt durch einen engen Tunnel und trägt mich auf seinen Armen. »Was ist passiert«, frage ich.
Ich verstehe seine Antwort nur teilweise. Mein Kopf ist wie in Watte gepackt. Er sagt etwas von Schmerzmitteln, Rippenbrüchen und dass sie mich herausbringen und ich gleich in Sicherheit sei. Zumindest glaube ich, ihn so verstanden zu haben.
Ich sehe, wie der Agent den Versicherungsvorstand am Kragen schleift. Der Teamleiter humpelt, aber das beeinträchtigt ihn kaum beim Laufen. Er dreht sich zu mir um. Unsere Augen treffen sich. Ich weiß was er mir sagen will. Er hat seinen Job gemacht und mich heil rein und raus gebracht. Nun liegt es an mir zu beweisen, dass mein fotografisches Gedächtnis die Mühe wert war.
Dann wird mir wieder schwarz vor Augen. Das nächste, was ich höre, ist eine besorgte Frage. Die Stimme der Frau kommt mir bekannt vor.
»Lebt er noch?«

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